Freundschaft gesucht

Für Menschen aus anderen Ländern gebe ich seit ein paar Jahren im Raum Gummersbach regelmäßig Deutschunterricht. Dabei erlebe ich Folgendes: Die meisten Teilnehmer lernen im Unterricht Schritt für
Schritt die deutsche Sprache. Aber zu Hause sprechen sie ihre Muttersprache und können das Gelernte nicht in ihrem Alltag festigen. So vergessen sie davon wieder einen Teil. Am Ende schaffen sie sogar trotz aller Mühe oft nicht die Prüfung. Immer wieder bitte ich die Lernenden, nachmittags mit Deutschen zu sprechen und ihr Deutsch anzuwenden. Oft höre ich dann eine Antwort wie: „Wir wissen nicht, mit wem wir sprechen können“ oder „Wir haben keine deutschen Freunde“.

Leider reagieren manche unserer Mitbürger auch ungeduldig, wenn jemand noch nicht gut Deutsch spricht. Doch sie brauchen ja gerade Ermutigung. Hier könnten wir als Christen, als Gemeinden wirklichetwas bewirken: Wir helfen sehr, wenn wir uns Zeit für Migranten nehmen, um mit ihnen zu sprechen und ihnen zuzuhören. Das kann bei einem Begegnungscafé und im privaten Bereich sein, wie wir es selber erleben.
Daraus wächst häufig echte Freundschaft und ein Segen für uns selber.

 

Issam und Yegor – Deutsch verbindet

Seit mehreren Jahren unterrichte ich Deutsch als Fremdsprache in der VHS. Der Kurs setzt sich aus Teilnehmern verschiedener Herkunft zusammen. Trotzdem finden sich häufig in der Pause diejenigen gleicher Sprachgruppen wieder. Ganz anders ist es bei Issam aus Syrien und Yegor aus der Ukraine. (Namen geändert) Ihre einzige gemeinsame Sprache ist Deutsch. Sie haben sich im Kurs nebeneinander gesetzt und unterstützen sich gegenseitig beim Deutschlernen.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich vor einiger Zeit an einem Montag im Kurs: Ich fragte, was die Einzelnen so am Wochenende erlebt hatten. Voll Freude berichteten die beiden, dass sie mit ihren Familien zusammen gegrillt hatten. Die Frauen der beiden und auch die Kinder beherrschen die deutsche Sprache schon besser. Und sie verstehen sich sehr gut untereinander. Deshalb verbringen sie nun immer wieder ihre Freizeit zusammen oder telefonieren häufig. Über diese außergewöhnliche Freundschaft habe ich mich sehr gefreut.

 

Hier finden Sie weitere Tipps, wie gemeinsames Lernen und Leben teilen aussehen kann: Ideen für die Praxis