Das Thema „muslimische Jugendliche“ wird uns in unserer Gesellschaft noch eine Weile beschäftigen. Deshalb möchten wir es auch in unserer Zeitschrift noch einige Male aufgreifen. Gerade im Bereich Schule finden sehr intensive Begegnungen zwischen Lehrern und Schülern von muslimischem und christlichem Hintergrund statt. Einige unserer Leser sind selbst Lehrer oder kennen Lehrer in ihren Gemeinden. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, die folgenden Fragen zu beantworten und Ihre Antworten an uns zurück zu schicken. Wir möchten diese gerne anonym auswerten und auf diese Weise auch andere Leser an Ihren Erfahrungen und Lösungsansätzen teilhaben lassen.

Wir können Ihnen den Fragenbogen auch gerne per Email zusenden. Dann können Sie Ihre Antworten einfach unter die Fragen schreiben und uns den Text per Emailanhang zurückschicken. Schreiben Sie Ihre Bitte einfach an beratung@orientierung-m.de

 

Fragenbogen zu Erfahrungen mit muslimischen Kindern in der Schule:

1. Gibt es nach Ihrer Erfahrung auffällige Unterschiede zwischen Kindern mit christlichem und Kindern mit muslimischem Hintergrund? – Welche?

 

 

Gibt es eher Spannungen zwischen Migranten

und Deutschen oder zwischen „Christen“ und

„Muslimen“?

 

 

2. Gibt es Unterschiede zwischen Kindern verschiedener muslimischer Gruppen? (Nationalität der Eltern, soziale Stellung der Eltern, religiöse Gruppierung …?)

 

 

3. Welche Verhaltensweisen muslimischer Kinder kommen Ihnen fremd / merkwürdig / unverständlich vor? – Welche finden Sie sympathisch / erfreulich / bewundernswert?

 

 

4. Was machte muslimische Kinder im Unterricht besonders neugierig?

 

 

5. Worüber ärgern sich muslimische Kinder am meisten? – Wann reagieren sie beleidigt?

 

 

a) Gibt es „Reizthemen“?

 

 

b) Gibt es Themen, bei denen die Meinungen

besonders weit auseinander gehen?

 

 

c) Spielen solche „Standardthemen“ wie

Umgang mit Alkohol, Essen von

Schweinefleisch etc. eine große Rolle?

 

 

d) Wie entstehen Konflikte und wie werden

sie ausgetragen?

6. Wie reagieren die Kinder auf Themen wie Schande / Ehre; Unreinheit / Reinheit; Einsamkeit / Gemeinschaft;  Machtlosigkeit / Macht gegenüber unsichtbaren Mächten, Dämonen?

 

 

7. Kommt es häufig / gelegentlich / selten / nie zu Gesprächen über Glaubensthemen? –

 

 

Falls es zu Gesprächen kommt: welche Fragen

werden gestellt?

 

 

Wie wird auf Meinungen anderer reagiert?

 

 

8. Empfinden Sie in manchen Situationen Unsicherheit, Anspannung oder Angst in der Begegnung mit muslimischen Kindern und Jugendlichen oder deren Eltern?

 

 

9. Gibt es Gebiete, auf denen Sie sich mehr Unterstützung oder weitere Schulung wünschen?

 

 

10. Für Lehrerinnen: Wie empfinden Sie Ihren Stand als weibliche Lehrkraft?

 

 

Was hat Ihnen geholfen, Barrieren zu

überwinden?

 

 

Wodurch gewinnen Sie Autorität und die

Anerkennung Ihrer Schüler?

 

 

Vielleicht sind aus Ihrer Erfahrung ganz andere Fragen und Themen relevant. Wir sind Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns auch das mitteilen! Gerne per Email an beratung@orientierung-m.de oder per Post an Orientierung: M e.V. , Postfach 41 01 61, 44271 Dortmund.

 

 

Erste Antworten:

Auf Fragebogen, die wir persönlich weitergegeben haben, erhielten wir bereits erste Antworten. Von „Ergebnissen“ kann noch nicht die Rede sein. Einige erste Beobachtungen sind jedoch interessant:

 

Auf Frage 1. Gibt es auffällige Unterschiede zwischen Kindern mit christlichem und Kindern mit muslimischem Hintergrund? – Welche? antwortete eine Lehrerin:

Ja, meiner Erfahrung nach gibt es auffällige Unterschiede. Allein die Tatsache, dass sie (die muslimischen Schüler) von einem Gott (Allah) wissen, lässt sie ehrfürchtiger in Glaubensfragen sein. – Offensichtlich ist (zumindest in den Klassen dieser Lehrerin) bei den „christlichen“ Schülern wenig zu spüren von einem persönlichen Glauben an Gott.

Deutlich ist auch, dass die muslimischen Schüler, über die berichtet wurde, oft nicht klar zwischen Religion, Nationalität und politischer Einstellung unterscheiden.

 

Zur Frage nach den „Reizthemen“ lautet eine Antwort:

Israel, Palästina als Staat, Kurdenkonflikt, USA (Es muss sich hierbei um kein spezielles Thema handeln; meist reicht schon der Begriff und schon geht es los!)

 

Im Zusammenhang mit der Frage: Wodurch gewinnen Sie Autorität und die Anerkennung Ihrer Schüler? ist interessant, dass zweimal ähnlich geantwortet wurde:

Bescheidwissen über den Islam, stehen zur eigenen Religion (u. a.),

 

Persönlich werde ich von unseren muslimischen Schülern sehr respektiert. Das hat viele Gründe, aber ein wesentlicher ist, dass sie spüren und wissen, dass ich gläubige Christin bin und trotzdem sehr viel über den Islam weiß und sehr viel im Orient und auch der Türkei gereist bin.

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn auch andere Lehrerinnen und Lehrer oder Personen, die in anderem Kontext Kontakte mit muslimischen Jugendlichen haben, uns ihre Erfahrungen mitteilen. Der Erfahrungsaustausch – ob nun indirekt über Beiträge, die in dieser Zeitschrift veröffentlicht werden, oder evtl. auch persönlich im Rahmen eines regionalen Gesprächsabends oder eines Seminartags – könnte vielen für ihre Alltagspraxis hilfreiche Anregungen geben und für den Umgang miteinander im schulischen Bereich und darüber hinaus von Nutzen sein.

Orientierung 2011-03; 01.07.2011