In der aktuellen Diskussion über den Islam werden oft zwei Begriffe durcheinander gebracht, zwischen denen nach der Meinung vieler Muslime unterschieden werden muss. Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung von Auszügen aus einem Zeitungsbeitrag von Soner Çağatay, erschienen am 27.01.2010 in Daily News, einer englischsprachigen Zeitung in der Türkei

Da ist auf der einen Seite der Islam als Religion, als Frömmigkeits- und Lebensstil. Etwa 1,4 Milliarden Anhänger zählt die Religionsgemeinschaft. Auf der anderen Seite ist der Islamismus. Seine Anhänger sind nur eine kleine Minderheit, die aber sehr viel von sich reden macht. Der Islamismus ist keine Religion, sondern eine extreme politische Ideologie. Diese Ideologie versucht, sich aus dem Islam zu legitimieren. Ihre Anhänger kommen aus islamischen Völkern oder sind Konvertiten zum Islam. Da der Islamismus mit viel Fanatismus und Terrorismus verbunden ist, schadet er dem Ansehen des Islam als großer Religionsgemeinschaft.

Sie erinnern sich daran, dass vor wenigen Wochen ein Nigerianer versuchte, mit einem am Bein befestigten Sprengstoffpaket ein amerikanisches Flugzeug kurz vor der Landung in Detroit zu sprengen. Später wurde klar, dass der Vater dieses Nigerianers, Umaru Abdul Mutallab, bemerkt hatte, dass sein Sohn in eine extreme Richtung des Islamismus abgedriftet war. Schlimmstes ahnend, hatte er die amerikanischen Behörden vor seinem Sohn gewarnt. Doch die Behörden hatten diese Warnung übersehen.

Der Vater des Nigerianers war ein Moslem, der Sohn war ein Islamist mit Verbindung zu El Kaida. Die Islamisten leben und kämpfen nicht für Ziele, sondern immer nur gegen Menschen, Gruppierungen und Staaten.

Zunächst glauben sie, dass die Juden böse seien. Weil viele Juden in Israel wohnen, sind sie anti-israelisch. Und weil die Islamisten die Rolle der Juden in den USA überschätzen und meinen, die USA würden von den Juden regiert, sind die Islamisten auch gegen Amerika. Ebenso sind die Islamisten anti-christlich und viele von ihnen allgemein anti-westlich. Da der Liberalismus, Säkularismus und die Demokratie aus dem Westen kommen, werden auch diese bekämpft. Manche meinen, der Kapitalismus sei von den Juden erfunden worden, deshalb ist der Kapitalismus schlecht. Interessanterweise ist auch der Kommunismus schlecht, denn Karl Marx hatte jüdische Großeltern. – Da er gewisse westliche Werte für die Türkei übernommen hatte, wurde selbst über Kemal Mustafa Atatürk behauptet, er sei ein verborgener Jude gewesen. Es ist aber klar belegt, dass Mustafa Kemal keine jüdischen Wurzeln hatte.

Um ihre hasserfüllten Überzeugungen noch besser verbreiten zu können, scheuten sich die Islamisten nicht, ihre eigenen Koran-Ausgaben (in Englisch und Arabisch) zu drucken, in denen sich der islamistischen Ideologie entsprechende Anmerkungen zum Text befinden.
Es wird für die Zukunft vieler Völker und auch des Westens von großer Bedeutung sein, wie der Kampf zwischen Muslimen und Islamisten ausgehen wird.

 

Orientierung 2010-02; 15.05.2010

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