Der Studientag 2011 in Wiesbaden förderte zum Thema „Islamischer Volksglaube und die Antwort des Evangeliums“ interessante Punkte zu Tage

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob Magie reale Auswirkungen auf Menschen hat und ob es eine unsichtbare Welt mit geschaffenen Wesen gibt. Der Koran, die islamische Welt und auch die Bibel bejahen dies. Für „aufgeklärte“ Europäer mag das vielleicht seltsam erscheinen, aber wir sollten nicht vergessen: die Angst vor der unsichtbaren Welt und ihren Geistwesen ist bei den Germanen teilweise erst durch die Predigt des Evangeliums zurückgedrängt worden. Aufgeklärte westliche Missionare berichten aus vielen Ländern von übernatürlichen Erfahrungen, Flüchen, Bedrohungen und rational nicht erklärbaren Erlebnissen.

Im Volksislam lebten die vor-islamischen magischen Praktiken weiter, weil der trockene orthodoxe Islam nicht genügend auf die Nöte der Menschen einging. Die Menschen möchten Gott und die anderen unsichtbaren Kräfte beeinflussen, damit ihre Bedürfnisse gestillt werden. Weil für Muslime der ferne Allah nicht Mensch wurde und nicht kam, um sie zu retten, bemühen sie sich, die unsichtbaren Dschinn (von Allah erschaffene Geistwesen, die gut oder böse sein sollen) und Engel zu manipulieren mit Opfern, Amuletten und Segenssprüchen.

In Ägpyten in Kairo befindet sich die edle orthodoxe Al Aksar Moschee. Der Referent erlebte dort, wie ein Lehrer 10 Minuten lang seinen etwa 30 Zuhörern beibringt, ein bestimmtes Wort im Koran richtig auszusprechen. Sonst ist das riesige Gebäude weitgehend leer. Gegenüber befindet sich eine alte Moschee mit Schrein. Die Menschen drängen sich. Sie murmeln und beten vor sich hin und sind sehr emotional, weinen und knien sich hingebungsvoll nieder: eine Studentin vor ihrer Prüfung, Arbeitslose beten um Arbeit, unter Tränen flehen Kranke um Gesundheit. Sie streichen über das Gitter vor dem Sarg von Husein, um etwas von den guten Taten Huseins als Segen abzubekommen.

Magie bringt besonders muslimischen Frauen eine scheinbare Aufwertung aus ihrem Status zweiter Klasse den Männern gegenüber. Sie üben damit Macht aus, die ihnen sonst nicht zusteht. Doch Magie ist nicht neutral. Z. B. werden die Kleider einer Patientin beschützt, damit niemand sie stiehlt und diese nicht mit einem Fluch belegt werden kann.

Ein anderes Beispiel: Eine Frau ist schwanger und entsetzt über ausgegossenes Wasser, das sie vor ihrer Tür findet. Jemand ist neidisch auf ihr Baby, das ist ihr klar, und möchte, dass sie es verliert. Deshalb das Wasser. – Jemand versucht mit etwas, was ihr gehört, in der Moschee einen Zauber gegen sie anzuwenden. Es reicht schon ein Teil ihres Nagels oder ein Haar, dazu ein Koranvers, der in Wasser aufgelöst wird. Das gibt dem Zauber die Legitimation. Dazu etwas Hokuspokus, und oftmals trifft der Fluch ein. Das erzeugt eine furchtbare Angst.

Eine junge Frau wurde verflucht, als sie nicht in die geplante Hochzeit mit ihrem Cousin einwilligte. Sie wurde besessen und sprach mit einer anderen Stimme, die nicht die ihre war. Dämonen erschienen ihr und brachten ihr Verbrennungen bei. Als sie Christin wurde, wichen die Dämonen. Sie war aktiv im Glauben, doch nach einiger Zeit hatte sie plötzlich keine Freude mehr, die Bibel zu lesen. Als in einem Gespräch herauskam, dass sie sich auch als Christin hatte hinreißen lassen, einer dämonischen Eingebung zu folgen, wurde die Ursache klar: Sie hatte Angst um ihr Kind gehabt. Dämonen hatten ihr gesagt, wenn sie bei Christus bleibe, würden sie das Kind töten. Aus Angst machte sie eine Zeremonie mit, um mit dem Dämon in Frieden zu leben. Dazu kam ein Scheich. Bei aufpeitschender Musik und Tanz wurde ihr ein weißes Kleid angezogen – wie einer Braut. Dann wurde ein Huhn über ihrem Kopf geschlachtet. Das Blut floss über ihr Kleid. Das war das Angebot an den Dämon, sich mit ihr zu vermählen. – Als sie diesen Fehltritt in der Seelsorge  ausgesprochen hatte, sagte sie sich von diesen Bindungen los. Daraufhin war sie völlig verwandelt, verlor ihre Niedergeschlagenheit und wurde mit großer Freude erfüllt.

Für Christen ist es wichtig zu erkennen, dass durch die Magie starkes Misstrauen unter Menschen erzeugt wird. Anstatt allein in der Furcht Gottes zu leben, haben sie Angst vor vielen Mächten, Wesen, Flüchen und Vorfahren. Geborgenheit kommt eben nicht aus dem stolzen Glauben an den fernen Allmächtigen, sondern aus der Gewissheit seiner Liebe und Nähe. Frauen dürfen wissen, Jesus ehrt sie und schätzt sie als Frauen. Sie sind gleichberechtigt in der Liebe Gottes. Jesus ist der vom himmlischen Vater autorisierte Mittler und Fürsprecher! Muslime sind teilweise angewidert vom Islam, wenn sie hören, wie das eigentlich „heilige Buch“, das von Gott kommen soll, für Flüche und Zerstörung benützt wird.

Das Evangelium enthält viele Antworten zu einzelnen Nöten der Menschen. Aber die Antwort ist nicht eine andere Praktik oder Theorie, sondern eine lebendige Person. Jesus Christus, der auferstandene, lebendige Herr ist die Antwort auf den Volksislam. Er ist der Mittelpunkt. An ihn sollen sie sich binden und durch ihn frei werden. Er hat die Fürstentümer und die Gewalten entkleidet, sie öffentlich zur Schau gestellt, indem er durch das Kreuz über sie triumphierte (s.a. Kol 2,15). Um unsichtbare bösartige Geistesmächte zu bekämpfen weist uns Paulus auf eine besondere Waffenrüstung hin, die so gar nichts Magisches an sich hat: Wahrheit, Gerechtigkeit, Missionsbereitschaft, Vertrauen auf Gott, Heilsgewissheit, Bibelkenntnis und Gebet (Eph 6,10-18).

Orientierung 2011-02; 20.04.2011