Ein türkischer Anwalt fordert seine Landsleute auf, sich in das Empfinden von Christen hineinzuversetzen

 

Orhan Kemal Cengiz wurde bekannt, als er die Anklage wegen der Morde an den drei Christen in Malatya organisierte. Wir erinnern uns: am 18.04.2007 wurden in Malatya der deutsche Evangelikale Tilman Geske und seine beiden türkischen Glaubensbrüder Necati Aydın und Uğur Yüksel im christlichen Zirve-Verlag gefoltert und brutal ermordet. Cengiz wurde mit seinem Team in den Ermittlungen behindert, verunglimpft und angegriffen. Interne Informationen z. B. über die Strategie der Anwälte wurden durch Mitarbeiter von Behörden abgehört und öffentlich gemacht. Durch Gespräche mit den Angehörigen der Ermordeten hat Cengiz eine Sympathie für Christen entwickelt.

Dieser Anwalt Orhan Cengiz schrieb in der englischsprachigen Ausgabe der islamischen Tageszeitung ZAMAN von einem protestantischen Jungen, der im Religionsunterricht gezwungen worden war, die islamische Bekenntnisformel auszusprechen und damit quasi zum Moslem gemacht wurde. Dabei gebrauchte er Worte wie „traumatisiert“ und „schreckliche Situation“, worüber sich manche muslimische Leser ärgerten.

In einem weiteren Artikel schreibt Cengiz betroffen: „Ich bin immer schockiert, wenn ich den enormen Mangel an Mitgefühl in der Türkei sehe… Sie machen sich keine Gedanken, was in anderen vorgeht und können sich nicht in sie hineinversetzen“. Er kontert islamische Leserbriefe mit: „Wie würde sich ein hingegebener Muslim fühlen, wenn sein Sohn dazu gezwungen würde, in einem Pflichtreligionsunterricht in irgendeinem Land in Europa, das Kreuzeszeichen zu machen, obwohl er sich vorher klar als Moslem zu erkennen gegeben hat?“ Er beklagt die Situation der Nichtmuslime in der Türkei, die zu vielen Dingen gezwungen werden, die Muslime in christlichen Ländern zum Wahnsinn treiben würden. Obwohl die christliche Missionsarbeit in der Türkei nicht verboten ist, werden Missionare kriminalisiert, festgenommen und verhört und sogar ins Gefängnis geworfen. Als Beweis der eigenen Schuld der drei Ermordeten in Malatya, so Cengiz, wurde z. B. das Auffinden von Bibeln angeführt. Was wäre, wenn der Koran als Beweisstück für eine Straftat in Europa gegen Muslime verwendet würde? Dieses mangelnde Einfühlungsvermögen kommt teilweise aus den kulturellen Vorschriften, teilweise aus den nationalistischen Rachegefühlen, so Cengiz, die islamischen Gruppen eingeimpft werden.

Cengiz schlägt seinen Landsleuten eine einfache Lösung vor: „Stellt euch selbst immer wieder vor, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr anstelle von dieser oder jener Person wärt. Alles, was ihr braucht, ist ein bisschen Einfühlungsvermögen. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn du es hast.“ (siehe www.todayszaman.com; Christians, Muslims, empathy by Orhan Kemal Cengiz)


Anmerkung der Redaktion:

Sollen wir als Christen in Deutschland uns auch „diesen Schuh anziehen“, dass wir uns mehr in die Lage der „anderen“ versetzen sollten? Jesus Christus sagte: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Mt 7,12)

 

Orientierung 2010-04; 25.09.2010

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