„Rettung?“ mögen manche Zeitgenossen verunsichert fragen. „Rettung woraus, wozu und durch wen?“ können andere weiter fragen. Haben wir Muslime vor Augen, dann empfinden wir bei ihnen einen starken Wunsch nach Gewissheit, bei Allah akzeptiert zu werden und ins Paradies zu kommen. Deshalb versuchen sie, ihren religiösen Pflichten nachzukommen und die „Waagschalen“ mit guten Taten zu füllen. Muslime blicken teilweise zu Recht herab auf ein sogenanntes christliches Abendland. Ja, es ist so: Menschen in den Ländern Westeuropas und anderswo brauchen dringend Rettung. Dennoch lässt sich die Gute Nachricht von Jesus Christus nicht nur auf die überwiegend christlich geprägten Länder der Welt begrenzen.

 

Unser aller Problem: Zielverfehlung

Es lohnt sich, einmal genau hinzuschauen, was uns Menschen eigentlich innerlich antreibt, was uns be-„geistert“. Ich staune über Natur-Fotografen, die Nahaufnahmen von seltenen und gefährlichen Tieren machen. Treibt sie das Abenteuer oder steckt in ihnen Entdecker-„geist“? Andere investieren viel Geld für großflächige Werbung auf Bussen, um ihre atheistische Weltsicht zu verbreiten. Sind wir von etwas überzeugt und be-„geistert“, dann haben wir dafür Kraft und Durchhaltevermögen. Wenn wir nach der tieferen Motivation fragen, kann sie das Ich-bezogene Suchen nach Anerkennung und Ehre, Neid oder Stolz sein. Als Menschen ohne Beziehung zu Gott verfehlen wir das Ziel unseres Lebens. Die Bibel beschreibt es als Sünde. Und nun? Wir alle brauchen Rettung! Sie beginnt damit, dass Gott aktiv wird, indem er zu uns durch sein Wort redet und uns erstmal unser Herz dafür öffnet. Er ist es, der alles dafür getan hat, dass unsere Beziehung zu ihm wieder hergestellt wird. Wer sich diesem Gott öffnet und darauf vertraut, dass ihm durch Jesus Christus alle Schuld vergeben ist, wird bei Gott als Kind angenommen und mit dem Heiligen Geist beschenkt. Durch ihn bekommen wir eine völlig neue Gesinnung. Das Lesen in der Bibel hilft uns, mehr und mehr zu entdecken, wie wir Gott den ihm gebührenden Dank und die Ehre zu kommen lassen und wie wir mit Menschen in Friede, Achtung und Liebe umgehen können.

Lydia hörte mit offenem Herzen zu. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Paulus in der mazedonischen Stadt Philippi einigen Frauen die Gute Nachricht predigte. Darunter war Lydia, die mit Purpur-Stoffen handelte. Als Nicht-Jüdin galt sie als „gottesfürchtig“. „Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie begierig aufnahm, was Paulus sagte“ (Apg 16,14; GN). Gott wird hier als der Akteur beschrieben, der durch seinen Geist das Hören bewirkt. Die Initiative geht von ihm aus: „Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ihm ganz als sein Eigentum zu gehören … aus seinem eigenen freien Entschluss“ (2. Tim 1,9; GN). Lydia achtete auf die Worte von Paulus, nahm die Worte auf – begann Jesus Christus zu vertrauen, sich ihm anzuvertrauen, wollte ihm gehören. Und Lydia konnte diese Gute Nachricht nicht für sich behalten. Ihre Nächsten mussten es auch wissen.

Denn als es zur Taufe kam, wurden auch ihre Familie und ihre Angestellten getauft. Lydia gilt als erste Europäerin, die Christin geworden war. Gott konnte sie nun auch für seine Ziele einsetzen. Sie bot sich sofort als Gastgeberin der durchreisenden Verkündiger an. Die weitere Verbreitung der Guten Nachricht lag ihr sehr am Herzen und sie unterstützte sie tatkräftig.

 

Ein Erdbeben öffnete Mauern und Herzen

In derselben Stadt wurde Paulus verleumdet und kam mit Silas ins Gefängnis. Nachdem durch ein Erdbeben alle Türen des Gefängnisses offen standen, fragte der Wärter zutiefst erschüttert Paulus: „Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Offenbar hatte er vorher auch etwas von der Guten Nachricht mitbekommen. Die kurze Antwort von Paulus lautete: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig“ (Apg 16,31). Nach GN: „Jesus ist der Herr! Erkenne ihn als Herrn an und setze dein Vertrauen auf ihn, dann wirst du gerettet und die Deinen mit dir!“ Eine weitere Unterweisung zu später Stunde erfolgte. Seine Familie und seine Angestellten hörten zu und auch sie begannen Jesus zu vertrauen. Gleich darauf wurden sie getauft. In seiner Verkündigung wies Paulus in der Regel durch die Heiligen Schriften nach, dass Jesus der versprochene Retter ist (Apg 9,22). Wie wir aus anderen Berichten des Neuen Testaments wissen, kamen Menschen auch durch das Erleben oder Miterleben von Heilungen, der Austreibung von bösen Geistern und sogar der Totenauferstehung zum Glauben an Jesus.

 

Für alle Völker ist der Weg zu Gott offen

Wie bereits vor 2000 Jahren Gottes Rettungsplan allen Menschen galt, ganz gleich, welchem Volk jemand angehörte (vgl. Apg 10,34+35), so gilt er bis heute für alle – auch für Muslime. Wie war das noch mal, als Gott den Weg für alle Nichtjuden frei machte? Der Apostel Petrus wurde durch eine Vision ermutigt, in das Haus des römischen Offiziers Kornelius zu gehen (Apg 11,5ff). Der jüdisch geprägte Petrus verstand nun: „Gott hat den Nichtjuden den Weg eröffnet, zu ihm umzukehren und das wahre Leben zu gewinnen“ (Apg 11,18; GN). Für die Juden galt bis dahin die Beschneidung als „Weg“, um zum Volk Gottes und zu Gott zu gehören. Es ist und bleibt ein Geheimnis, wenn ein Mensch – gebildet oder ungebildet, religiös oder atheistisch, Inländer oder Ausländer – vom Geist Gottes geboren wird (Joh 3,8). Gerettete Menschen bezeichnen sich als Kinder Gottes (Joh 1,12). Weil sie ein Retter verbindet, wird es nebensächlich, welcher Nation sie angehören oder welche Sprache sie sprechen.

 

Der Glaube bleibt nicht ohne Auswirkungen

Als Christen sind wir voll Dank, dass Jesus unsere Schuld vergeben hat, indem er selbst mit seinem Opfertod dafür bezahlt hat. Wir preisen ihn als unseren Retter und sehen ihn auch als unseren Herrn an. Durch seinen Geist gibt er uns Verständnis für seine Worte in der Bibel. Er will uns durch seine Liebe positiv verändern und umgestalten in das Bild, das Gott von unserem Leben hat, wozu er uns eigentlich erschaffen hat. Dazu sind auch das bewusste Leben in Gemeinschaft mit anderen Christen und das gemeinsame Beten wichtige Elemente. Wenn also Chinesen, Afghanen, Türken, Inder als Christen leben, werden sie neben dem bereits Erwähnten auch „der Stadt Bestes suchen“, damit anfangen, für die Regierung zu beten, ihr Einkommen ehrlich verdienen wollen, Menschen in Not nach Kräften helfen…, kurz: die von Gott empfangene Liebe weitergeben wollen.
Orientierung 2002-05; 15.02.2000…

Sie dürfen diesen Artikel frei kopieren unter Angabe der Herkunft: www.orientdienst.de