Im biblischen Zeugnis wird Sexualität als eine gute Gabe des Schöpfers bejaht.
Wie können wir damit entsprechend Seinem Willen umgehen?

 

Nach 1.Mose 1,27 ist der Mensch geschaffen worden zum „Bild Gottes”. Was damit gemeint ist, können wir wohl am besten verstehen, wenn wir Jesus Christus betrachten, der ja in Kolosser 1,15 als „das Bild des unsichtbaren Gottes” bezeichnet wird. Durch seine enge Beziehung zu Gott und durch seinen völligen Gehorsam spiegelt Jesus, als der „geliebte Sohn” des himmlischen Vaters, in seinem ganzen Verhalten Gottes Liebe wider.

Das Spiegelbild

So wollte Gott auch durch die Erschaffung des Menschen ein Gegenüber in Seiner Schöpfung haben. Der Mensch sollte fähig sein, Gottes Liebe zu erkennen und in freier Entscheidung auf diese Liebe mit Liebe zu antworten (wie ja auch Gott sich in Seiner Freiheit entschieden hat, Sein Geschöpf, den Menschen, zu lieben).

Wenn es in 1.Mose 1,27 heißt: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde … als Mann und Frau schuf er sie”, wird damit angedeutet, dass der Mensch nicht als Einzelwesen das „Bild Gottes” darstellt, sondern in der Gemeinschaft von Mann und Frau. In der engsten und umfassendsten menschlichen Beziehung, in der Ehe, sollten beide Gottes Liebe widerspiegeln – und von dorther dann gewiss auch in der Beziehung zu den Kindern. Gott hatte es wohl so gedacht, dass in Seiner Schöpfung Seine Liebe das Verhalten zwischen den Menschen-Schwestern und -Brüdern ganz allgemein bestimmen sollte.

In dieser von Gottes Liebe geprägten Beziehung sollten Mann und Frau einander in völliger Offenheit und Vertrautheit begegnen können – auch körperlich. Der biblische Bericht deutet das an in der Formulierung: „Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.” (1.Mose 2,25)

 

Der Zerrspiegel

Das alles änderte sich völlig, als die Menschen sich verleiten ließen, Gott und Seinen Worten nicht mehr zu vertrauen. Sie ließen sich einreden, Gott sei nicht der liebende Schöpfer, der ihnen alles Gute gerne gönnt, sondern Er sei ein einengender, verlogener und missgünstiger Herrscher (1.Mose 3,4f). Indem Adam und Eva darauf hin Gottes Gebot übertraten, wurde ihre bisherige ungetrübte Beziehung zu Gott zerstört (s. 1.Mose 3,8ff).

Das hatte sofort Auswirkungen auf die Beziehung von Adam und Eva zueinander: Adam klagte seine Frau (und indirekt sogar Gott) an (V.12). Schon vorher (V.7) wird erzählt, dass beide ihre Blöße voreinander versteckten. Das deutet darauf hin, dass auch in ihrer körperlichen Beziehung etwas zerbrochen, eine Entfremdung eingetreten war. Die ursprüngliche Reinheit und Unbefangenheit war verloren gegangen – wahrscheinlich sogar die natürliche, unbefangene Beziehung zu ihrem eigenen Körper.

Die Geschichte vom Sündenfall zeigt, dass „Sünde” mehr ist als eine einzelne schlechte Tat. Während ursprünglich das gesamte Verhalten der Menschen durch eine heile Beziehung zu Gott bestimmt war, fehlt nun diese prägende Mitte. Ihr ganzes Wesen und damit auch ihre Sexualität gerät in Unordnung.

So gibt es wohl kaum einen Menschen, der in diesem Lebensbereich nicht in irgendeiner Weise versagt – und sei es „nur” durch die Unreinheit der Gedanken. Wenn Jesus in der Bergpredigt (Mt 5,28) den begehrlichen Blick bereits als „Ehebruch” bezeichnet, will er damit nicht nur deutlich machen, dass sexuelles Fehlverhalten im Innersten des Menschen, in seinen Gedanken und Phantasien beginnt; der begehrliche Blick ist schon Ehebruch, weil er die andere Person zum Sexualobjekt macht. Hier spiegelt sich nicht Gottes Liebe zum Nächsten.

 

Ein neuer Spiegel

Jesus zeigt damit, dass auch im Bereich der Sexualität jeder Mensch, unabhängig von geschichtlichem oder sozialem Umfeld, Religion, Kultur etc. vor Gott schuldig wird – und dass wir alle Gottes Vergebung brauchen. Ja, entsprechend seinen Aussagen in Joh 3,3.6f ist sogar eine völlige Erneuerung (Wiedergeburt) des Menschen nötig. Menschliche Versuche, das äußere Verhalten zu reinigen, ohne dass das Innere gereinigt wird, sind zum Scheitern verurteilt.
Wenn die Ursache für sexuelle Sünden (wie für alle anderen Sünden auch) darin liegt, dass unsere Beziehung zu Gott zerstört ist, kann nur an diesem Punkt ein Prozess der Erneuerung und Heilung beginnen. Es ist nötig, dass wieder eine gereinigte, liebevolle Beziehung zu Gott hergestellt wird. Nach biblischem Zeugnis ist das allerdings nicht vom Menschen her möglich. Gott selber hat in Seiner Liebe, die selbst dem sündigen Menschen noch zurechthelfen will, die Initiative ergriffen. Er hat Seinen Sohn gesandt, der am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist, und bietet uns in Jesus Christus Seine Vergebung und eine neue Beziehung an.

Menschen können dieses Angebot Gottes ablehnen – oder darauf eingehen, indem sie sich bewusst Gott zuwenden, Ihm ihre Schuld bekennen, Ihn um Vergebung und Erneuerung bitten und im Glauben an den stellvertretenden und erlösenden Tod Jesu Christi Gottes Gnade für sich in Anspruch nehmen. So empfangen sie als Geschenk Gottes den Heiligen Geist. Damit ist noch nicht die ganze Gedanken- und Gefühlswelt eines Menschen erneuert, aber es ist eine Grundlage geschaffen, auf der ein neues Leben möglich ist. Es kommt nun darauf an, sich immer mehr durch Gottes Geist regieren und verändern zu lassen, damit wir – entsprechend 2.Kor 3,18 – in allen Lebensbereichen immer mehr ‚umgestaltet werden in Sein (Spiegel-) Bild‘.


Orientierung 2002-05; 15.02.2000…

Sie dürfen diesen Artikel frei kopieren unter Angabe der Herkunft: www.orientdienst.de