Wir schätzen bei Firmen, wenn sie Kunden entgegenkommend und freundlich behandeln. Wie gehen Christen mit Zuwanderern, überhaupt mit Außenstehenden um? Zu Nicht-Christen zählen wir alle, die sich nicht zu Christus bekennen und ihm folgen, also auch muslimische Nachbarn und Kollegen. Was ist wichtig für die Begegnung mit ihnen, ohne sich im Ton zu vergreifen?

Wenn bei einem Unternehmen die Kundenzufriedenheit hohe Priorität hat, wird es den Kundenkontakt eng pflegen, Bedürfnisse und Wünsche ernst nehmen mit dem Ziel, die Erwartungen der Kunden noch zu übertreffen. Für Probleme werden flexible Lösungen angeboten. Um kundenfreundliche Mitarbeiter zu bekommen, wird ihre kommunikative Kompetenz meist durch externe Trainer gefördert und erweitert. Und dies alles, um den Gewinn zu steigern, die Firma voranzubringen. Dagegen wollen sich Christen in ihrer Haltung nicht von einer Geschäftsidee motivieren lassen, sondern reagieren auf die liebende und gnädige Zuwendung Gottes, der sich in Christus gezeigt hat und der uns in seinem Geiste auftreten lässt. Dabei geht es v.a. darum, dass Gott durch uns seine Ziele erreicht.
Apollos in Apg. 18,24-28 war ein gebildeter, wortgewandter Mann, der sich bestens in den Heiligen Schriften auskannte. Er sprach von Jesus mit großer Begeisterung… Jay Smith tritt regelmäßig im Londoner Hyde-Park auf und spricht gerne mit seinen Zuhörern, unter denen auch Muslime sind. Beobachtet man ihn eine Weile, stellt man fest, dass er als Apologet in Wahrheitsfragen sehr deutlich werden kann, aber sich durch Kritik oder Beleidigungen nicht provozieren lässt. Auch wenn wir keine Apologeten sind, kommt es auf unsere Haltung an. Wer als Christ bereits Lernbedarf erkennt und signalisiert, kann dazulernen, von Gott gebraucht werden.

 

FREUNDLICHKEIT: EIN GESCHENK

Wenn Jesus seine Nachfolger zur Nächstenliebe, ja, sogar zur Feindesliebe auffordert, können wir zunächst an einen unzufriedenen oder verärgerten Kunden denken, der dennoch von dem Firmenmitarbeiter freundlich bedient wird. Im Koran wird sogar davon abgeraten, Christen zu Freunden zu nehmen (Su 5,51). Muslime verbinden mit dem herabwürdigenden Begriff al-Kafirun (arab. die Ungläubigen) Menschen, die mehrere Götter bzw. Götzen anbeten. Solche Gedanken können Muslime dazu führen, von ihrem Glauben überzeugten Christen nicht wirklich freundlich zu begegnen.

Koloser 4,6 (GN) spricht davon: Wenn ihr Außenstehenden über euren Glauben Auskunft gebt, so tut es immer freundlich und in ansprechender Weise. (Martin Luther: eure Rede sei mit Salz gewürzt.) Bemüht euch, für jeden und jede die treffende Antwort zu finden. In 1. Petr 3,9 werden Christen angewiesen: Gebt Beleidigungen nicht wieder zurück! Im Gegenteil, segnet eure Beleidiger. Die freundliche Haltung ist eine von Gott gegebene Kraft, die Mut und Besonnenheit erfordert und sich nicht provozieren lässt, sondern sogar für den anderen betet und ihn oder sie segnet. Um eine treffende Antwort zu finden, ist es sicher nötig, wesentliche Kenntnisse über Geschichte, Lehre und Frömmigkeit des Islams zu erwerben. Jesus z. B. liebte es, seine Wahrheit in anschauliche Geschichten aus dem Alltag zu verpacken.

 

GEBET: DER TÜRÖFFNER

Muslim ist nicht Muslim. Da gibt es die, denen ihre Tradition wichtig ist, andere wollen ihre Religion politisch durchsetzen, wieder andere sehnen eine Reform ihrer Religion herbei. Differenzieren wir also und lassen in uns nicht eine pauschale Aversion und Unverständnis wachsen, wenn von islamistischen Ansichten und Taten berichtet wird.

Paulus und Timotheus bitten die Gemeinde in Kolossä (4,3) um Gebetsunterstützung: Betet für uns, dass Gott uns eine Tür öffnet für seine Botschaft. Dabei hat Paulus nicht nur die verschlossene Gefängnistür vor Augen. Er weiß von dem Tür- und Herzensöffner, dem Heiligen Geist, der beim Hören der biblischen Botschaft Menschen persönlich anspricht – sogar durch Träume in ernsthaftes Fragen bringt. Sollen heute Muslime von der Guten Nachricht hören, brauchen Mitarbeiter die konkrete Gebetsunterstützung anderer Christen. Wie gut, wenn auch Sie bereits dabei sind, dies zu praktizieren und uns mitteilen, wie wir für Sie konkret beten können. Wie gut, wenn jede Begegnung durch Gebet vorbereitet und begleitet wird.
Verschlossen ist manchmal unser Herz mit seinen Ausreden: Ich finde nicht den richtigen Ton. Ich verstehe die Migranten nicht. Meine Gaben und Fähigkeiten liegen in einem anderen Bereich. Ich bin zu jung. Ich bin zu alt für solch einen Einsatz oder solch eine Aufgabe. Gebet hilft, verschlossene Herzen zu öffnen – auch bei uns, um echte Begegnungen zu ermöglichen.

 

DER UNTERSCHIED: AUTHENTISCHES LEBEN

Fängt ein Mensch an, Jesus zu vertrauen, beginnt ein Lernprozess, eine Verwandlung in sein Spiegelbild (2. Kor 3,18). Sind wir dabei, immer mehr in allem den Willen Gottes zu tun und uns als reife Christen zu bewähren? Jesus sieht seine Nachfolger als Nachahmer, als Zeugen, als Boten; Paulus sieht sie als Brief, als Wohlgeruch. Haben wir als Gemeinde eine anziehende Ausstrahlung, die sogar Außenstehende erreicht? Oder dulden wir, dass unser Denken und Tun immer stärker von dem bestimmt wird, was „in“ ist, dass der Mensch grundsätzlich gut ist (Humanismus), dass alles irgendwie als relativ zu sehen ist?

Jesus teilte seine komplette Dienstzeit mit zwölf Männern und einigen Frauen. Sie bekamen hautnah mit, was er lehrte und wie er lebte. Er begnügte sich mit Männern, die vermutlich alle keine Elite-Uni absolviert hatten. Schriftgelehrte und Pharisäer galten als vorbildliche Zeitgenossen, doch Jesus bringt Licht auf ein Zerrbild, bei dem Lehre und Tun weit auseinander liegt (Mt 23,4-5). Und wenn die Lehrenden etwas taten, dann nur, umgesehen, beachtet und respektiert zu werden. Jesus dagegen betont: Wer unter euch am größten ist, soll euer Diener sein. (23,11)

Suchen wir also den Dialog mit Muslimen, wird der Grundton unserer Haltung respektvoll sein. Haben wir unseren christlichen Glauben argumentativ zu verteidigen (Apologia), so soll unser auf der Bibel gründender Standpunkt begreiflicher werden. Die Forderung, andere Überzeugungen zu achten, wird inzwischen zur Forderung, keine eigenen Überzeugungen zu haben. Und wer sie dennoch vertritt, gilt als intolerant, kritisiert Philosoph Robert Spaemann. Wir dürfen und sollen zu unseren Überzeugungen stehen, dies aber in Freundlichkeit und Liebe, entsprechend dem guten Ton und einer Haltung, die Jesus Christus ehrt.
Orientierung 2015-01; 18.02.2015
Sie dürfen diesen Artikel frei kopieren unter Angabe der Herkunft: www.orientierung-m.de