Einen kurzen Satz von nur wenigen Worten auszusprechen, kann die bedeutsamste „Tat“ eines ganzen langen Lebens sein. Gibt es für uns Menschen etwas Wichtigeres, als zu bitten: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz!“?

Schmutz ist uns in der Regel unangenehm. Gewiss: Kindern macht es schon einmal Spaß, so richtig zu „matschen“. Doch sonst sieht z. B. Dreck an den Händen weder schön aus, noch fühlt er sich gut an. Zudem: wenn jemand mit unsauberen Händen isst, kann er sich auf diesem Weg eine schlimme Krankheit „einfangen“. Deshalb ist es natürlich nicht verkehrt, sich oft und sorgfältig die Hände zu waschen – besonders wenn man mit vielen Kranken in Berührung kommt. Nur: Händewaschen alleine hilft nichts, wenn man im Körper einen Entzündungsherd hat. Da kommt man durch äußeres Waschen nicht dran.

Reinheit ist nötig

Noch schlimmer ist unsere innere Unreinheit, mit der wir vor dem heiligen Gott nicht bestehen können. Als der Prophet Jesaja Gott begegnete, musste er ausrufen: „Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.“ (Jes 6,5) Um in Gottes Gegenwart leben zu können, ist Reinheit unbedingt erforderlich.

Deshalb hatte Gott zur Zeit des Alten Testaments den Versöhnungstag eingesetzt. Er versprach Seinem Volk: „An diesem Tage geschieht eure Versöhnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem HERRN.“ (3. Mose 16,30)

Auf das Herz kommt es an

Was aber, wenn in meinem Innersten sich eine Quelle der Bosheit und Verunreinigung befindet? Unser Herr Jesus Christus hat von dieser Tatsache sehr deutlich gesprochen: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen.“ (Mt 15,19f)

Der König David hat das wohl zumindest geahnt. Deshalb gehen seine Bitten um Reinigung in Psalm 51 immer tiefer. Zunächst bittet er: „Wasche mich von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde!“ (V. 2) Dann sagt er: „Entsündige mich mit Isop, dass ich rein werde!“ (V. 7) Mit dem Büschel der Isop-Pflanze sollte z. B. das Blut des Passahlammes an die Türpfosten gestrichen (2. Mose 12,22) oder Blut auf einen Aussätzigen gesprengt werden, der gereinigt werden sollte (3. Mose 14,6f). Vielleicht will David damit andeuten: ‚Ich weiß, meine Schuld ist so schwer, dass sie nur durch Blut – durch einen stellvertretenden Tod – abgewaschen werden kann.‘

Aber selbst das ist noch nicht ausreichend. Mit der „Schaltzentrale“ meines Lebens muss etwas Entscheidendes geschehen. Wenn mein Herz nicht rein ist, werden meine Gedanken, Beweggründe, Worte und Taten immer wieder von innen her „infiziert“, ja, es wird gar nichts Reines zustande kommen.

Nichts möglich – außer bitten

Was können wir da schon „machen“?! Äußere Reinigungsriten reinigen ja unser Inneres nicht. Wenn wir uns aus eigener Kraft mit der Unreinheit unseres Herzens auseinandersetzen, sie beseitigen und überwinden müssten, würden wir schließlich verzweifelt scheitern. Wer meint, in diesem Kampf siegen oder auch nur entscheidende Fortschritte erringen zu können, lebt in einer Illusion – und hat wahrscheinlich nicht erkannt, was Reinheit vor Gott wirklich bedeutet. Es ist unmöglich, dass wir selber uns ein reines Herz erarbeiten oder es in uns herstellen.

David geht den einzigen möglichen Weg: er bittet Gott. Er legt kein feierliches Versprechen ab, die geschehene Schuld durch gute Taten ausgleichen zu wollen – was ja auch unmöglich ist. Er unternimmt keinen Versuch, sich durch Entschuldigungen und „mildernde Umstände“ reinzuwaschen – was vor Gott alles ja nur noch schlimmer machen würde. Er bekennt, dass er gesündigt hat – und bittet Gott um ein Wunder Seiner Gnade: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz!“ (V. 10)

Eine neue Schöpfung

David erkennt, dass nicht einmal eine Reinigung des alten Herzens ausreichen würde. Er merkt, dass er ein neues Herz braucht. Deshalb bittet er Gott, in ihm ein reines Herz zu schaffen. (Er wählt das gleiche Wort, das in 1. Mose 1,1 vorkommt und das im Alten Testament nur für Gottes schöpferisches Handeln verwendet wird!)

Genau das hat Gott uns Menschen tatsächlich durch den Propheten Hesekiel versprochen: „Und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet… Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben… ich will meinen Geist in euch geben…“ (Hes. 36,25-27)

Diese Verheißung hat Er in Jesus Christus verwirklicht: Weil unser Erlöser stellvertretend für uns am Kreuz gestorben ist, können wir durch den Glauben an Ihn von den Sünden der Vergangenheit gereinigt werden. Zugleich empfangen wir ein neues Herz – und damit eine neue Beziehung zu Gott, der dann durch Seinen Heiligen Geist in uns wohnt.

„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus.“ (2. Kor. 5,17+18)

Auf diese Weise schafft Gott das reine Herz in uns: Durch den Glauben an Jesus Christus und seine Erlösungstat empfangen wir Vergebung unserer Schuld; wir werden mit Gottes Liebe beschenkt und befähigt, sie zu erwidern – auch indem wir nun von Herzen Seinen Willen tun wollen. – Rein ist das Herz, das erfüllt ist mit der überwältigenden Erkenntnis von Gottes Gnade gegenüber uns, die wir Sünder waren, und das deshalb Gott dankt und Ihm vertraut – auch wenn wir uns in unserem Denken und Handeln wieder einmal (und viel zu oft wieder) „bekleckern“. Das reine Herz ist „infiziert“ von der Reinheit der Gnade Gottes.

Alle, in denen Gott, das reine Herz schon geschaffen hat, werden Ihm immer wieder dafür danken. Alle anderen dürfen Ihn darum bitten.

Orientierung 2010-01; 10.02.2010

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