In einem Islamkurs ermutigten wir die Teilnehmer, vertrauensvolle Beziehungen zu Muslimen aufzubauen. Da erzählte uns ein Ehepaar von seinen Erfahrungen

 

Als eine türkische Familie in seine Nachbarschaft zog, begegneten die beiden ihr mit Freundlichkeit und Offenheit. Sie machten sich auf, die neuen Nachbarn zu besuchen und wurden auch freundlich empfangen. Als sie merkten, dass die Kinder in der Schule nicht gut mitkamen, halfen sie beim Deutschlernen und übten mit ihnen Lesen. Hier und da brauchte der türkische Mann Hilfe beim Ausfüllen eines Formulars; die Frau war dankbar für Begleitung zum Arzt. Zu Festtagen beschenkte man sich gegenseitig mit Essen und Süßigkeiten. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung; man besuchte sich gegenseitig und kam über viele Themen miteinander ins Gespräch, auch über Glaubensfragen. Dabei erzählte das deutsche Ehepaar, was ihm der Glaube an Jesus Christus bedeute, und bot Schriften und Videos in Türkisch an. Die türkische Familie zeigte durchaus Interesse, stellte Fragen und erzählte vom Islam.

Irgendwann begann aber die Beziehung – ohne erkennbaren Anlass – abzukühlen. Die türkische Familie schien Begegnungen eher aus dem Weg zu gehen. Die gegenseitigen Besuche hörten auf. Dann schien es, als werde die türkische Familie „muslimischer“: die Frau begann, ein Kopftuch zu tragen; die Kinder gingen zum Koranunterricht. Es kam noch einmal zu einem kurzen Gespräch zwischen dem deutschen Ehepaar und einem der Kinder der türkischen Familie. Dabei wurde deutlich, dass die frühere freundliche Beziehung zerbrochen war. Was das deutsche Ehepaar besonders schmerzte: das Kind, das vorher gerne Geschichten aus der Bibel gehört hatte, sagte in diesem Gespräch plötzlich: „Jesus – pfui!“

Auch wenn möglicherweise der Einfluss religiöser Führer oder der Druck anderer Muslime eine solche Kehrtwendung bewirkt hat: Solche Ablehnung zu erleben ist schmerzhaft. – Es sieht so aus, als sei alle Liebe und Freundlichkeit vergeblich gewesen – in ein Grab „gesät“ worden. Nur der, der „die Auferstehung und das Leben“ ist, kann daraus trotzdem Leben entstehen lassen – und in Seiner Hand sind auch solche schmerzhaften Erfahrungen am besten aufgehoben.

 

Orientierung 2011-01; 01.02.2011

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