Berufung erlebt – Berufung erleben!

 

Wenn Gott Christen in einen Dienst ruft, dann zählen nicht zuerst gute Zeugnisnoten oder berufliche Qualifikation. Aus einer internen Umfrage unter Mitarbeitern geben wir Einblick, wie sie Berufung erlebt haben

 

Unser Gebet ist, dass Gott Sie als Leser durch die folgenden Aussagen anspricht und Sie ermutigt, sich in Ihrem Dienst für Muslime (auch in der Fürbitte und in der Unterstützung von Mitarbeitern) weiterhin einzusetzen, oder dass Sie sich neu von Gott in eine solche Aufgabe rufen lassen.

 

Warum weiß ich mich zum Dienst unter Muslimen berufen?

Gott ruft auf individuelle Weise und ermutigt zu einem Dienst. Einige aneinander gereihte Antworten der Mitarbeiter:

  • Weil auch Muslime das Evangelium hören müssen. Was für eine bessere Gelegenheit gäbe es, als ihnen hier in unserem Land Gastfreundschaft zu erweisen und Freundschaften zu knüpfen?
  • Weil Gott alle Menschen liebt und nicht will, dass sie verloren gehen und weil es so wenige Mitarbeiter gab und gibt, die Muslimen das Evangelium bringen.
  • Weil diese Zielgruppe in der Vergangenheit ungleich weniger Möglichkeiten hatte, das Evangelium von Jesus zu hören als die meisten anderen.
  • Gottes Liebe zu den Muslimen, die unsere Nächsten sind und die wir deshalb auch lieben.

Wir fragten unsere Mitarbeiter darüber hinaus, welche Umstände, welche Menschen, welche Begegnungen an der Berufung besonders beteiligt waren:

  • Weil Muslime ein falsches Bild über Jesus haben.
  • Ich überlegte, wo hier in Deutschland die Not am größten ist.
  • Während meiner ganzen Kindheit verbreiteten meine Eltern das Evangelium unter „Gastarbeitern“; die Predigt von einem Missions-Leiter in meiner Heimatgemeinde; dann im Zivildienst, wo eine Gruppe von Bibelschülern regelmäßig für Menschen aus der Türkei betete; am Ende meiner Bibelschulausbildung ein Gespräch mit dem damaligen Leiter eines Missionswerkes, der meine Berufung für das Volk der Türken deutlich erkannt hatte.
  • Verschiedene, voneinander unabhängige Menschen rieten mir zu einer Arbeit in Deutschland.
  • Mein Mann fragte mich, ob ich ihn in seiner Arbeit unter Muslimen unterstützen möchte.
  • Wir sahen Gottes Führung darin, u.a. auch, weil Mitarbeitermangel herrschte, weil wir uns gut in eine andere Kultur integrieren konnten, weil uns Gott verlorene Menschen aufs Herz gelegt hat.
  • Eine Konferenz zum Thema „Mission in der Welt des Islam“.

 

Beachtlich viele zählten Begegnungen mit Muslimen zu den Umständen ihrer Berufung:

  • Erste Begegnungen in einer Moschee in Ost-Württemberg zeigten mir, dass ich dringend mehr über Muslime lernen muss.
  • Weil ich im Rahmen eines Einsatzes am Büchertisch eine deutsche Frau getroffen habe, die ganz überzeugt zum Islam übergetreten war und ein Kopftuch getragen hat.
  • Nach einigen Monaten des Gebets für Menschen aus der Türkei wollte ich nicht nur beten, sondern auch selbst mit ihnen in Kontakt treten und nach Möglichkeit Jesus bezeugen. Hierzu suchte ich türkische und kurdische Studenten der Fachhochschule auf. Die Freundschaften, die dort entstanden, weckten meine Liebe zu diesem Volk noch mehr.
  • Ich hatte als Krankenschwester eine türkische Patientin. Zu der Zeit konnte niemand vom Pflegepersonal Türkisch. Das hat mich aufgerüttelt.
  • Die muslimischen Grundschüler im Religions-Unterricht, die alles wie ein Schwamm aufsaugten.
  • Ein junger Nordafrikaner, der innerhalb sehr kurzer Zeit Jesus erlebte und annahm – und die Herausforderung eines jungen deutschen Konvertiten zum Islam, der sehr gut Arabisch und Türkisch sprach.
  • Vor allen Dingen das Praktikum in Berlin hat mich für die Bedürfnisse der Türken sensibel gemacht.
  • Die kurdischen Freunde in der Berufsausbildung: sehr liebe Leute! Das war der Auslöser.
  • Eine Konferenz bildete die Informationsgrundlage und die Begegnung mit orientalischen Christen kam dazu.
  • Asylantenarbeit, Büchertisch in der Fußgängerzone; iranische Freunde, deren Notsituation mir nahe ging. Sommereinsatz mit OM unter Türken.

Welche Rolle spielte die eigene Gemeinde? Die Antworten fallen hier sehr unterschiedlich aus:

  • Die Gemeinde spielte keine Rolle. Sie wollten mich als Mitarbeiterin behalten.
  • Sie war wenigstens nicht hinderlich, Jugendliche aus dem Hauskreis teilten mein Anliegen.
  • Sie unterstützte mich in Besuchsdiensten und Verteilaktionen.
  • Nach mehreren Gesprächen und viel Gebet unterstützte meine Gemeinde meine Berufung, unter Türken zu arbeiten. Sie befürwortete meine Bibelschulausbildung und gab mir einen Tipp, der zum Dienst in Berlin führte.

Diese Erfahrungen spiegeln den Gemeindealltag wider. Wie gut wäre es doch, wenn sich Verantwortliche der Gemeinde aktiver an der Wegfindung und der Begleitung eines Gemeindeglieds beteiligen, das sich berufen weiß, kulturübergreifend zu arbeiten. Es kann aber auch so sein, dass sich jemand berufen fühlt und außer Acht lässt, was seine Gemeindeleitung (Älteste) denkt und in welcher Weise sie den weiteren Weg durch Gebet, Rat und Unterstützung begleiten möchte.

Bei der Frage, von wem die Mitarbeiter in der Arbeit unter Muslimen viel lernen konnten, zeigt sich, dass es weniger die guten Fachbücher oder Seminare waren, sondern vor allem geistliche Leiter, erfahrene Kollegen oder Mitarbeiter anderer Werke. Natürlich spielt Jesus als Vorbild eine unübertroffene Rolle. Manche haben es sehr geschätzt, wenn sie z.B. von türkischen Mitarbeitern lernen konnten. Außerdem lernten sie viel durch die Praxis im Umgang mit Muslimen und durchaus auch von ihnen.

Viele der zuvor genannten Herausforderungen sind auch heute noch top-aktuell: Bei all ihrer Religiosität – Muslime kennen Gottes Angebot der Versöhnung durch Jesus Christus nicht! Noch immer ist die Zahl derer, die Muslimen das Evangelium weitersagen, im Vergleich zur Größe der Herausforderung viel zu gering – auch hier in Europa! Vor allem: Der lebendige Gott liebt die Muslime und will uns als Boten seiner Liebe einsetzen.

 

Orientierung 2010-03; 10.07.2010

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