Haben Reise-Angebote einen Haken? Möglichkeiten und Grenzen, als Christ in ein islamisch orientiertes Land zu reisen

 

Über den Stromversorger gewann meine Frau vor vier Jahren bei einem Preisausschreiben: Acht Tage Übernachtung mit Frühstück in Antalya/Alanya/Pamukkale/Ephesus, einschließlich Flug, Bustransfer und Reisebegleitung. Lediglich die Flughafengebühr war zu zahlen. Der Begleitperson wurde ein günstiges Angebot gemacht. Wir entschlossen uns, diese Reise gemeinsam anzutreten und wählten einen Termin im April. Spät am Abend kamen wir nach 30-minütiger Busfahrt am Rand von Antalya im Hotel an. Überraschend war, morgens aus dem Fenster auf das tiefblaue Mittelmeer zu schauen. Im Hotel wurden den Reisenden zusätzliche Pauschalangebote gemacht: für Vollpension und für Ausflüge und Eintrittsgelder. Wir gingen nicht darauf ein, wie auch einzelne andere.

So war die Reisegruppe an mehreren Tagen zu Ausflügen unterwegs, während wir selbst unser Programm gestalteten. Wir schauten uns die Altstadt von Antalya an. Vom Hotel bei Pamukkale gingen wir in ein nahe gelegenes Dorf, um an eine günstige Mahlzeit zu kommen. Da kamen wir mit Einheimischen in Kontakt. Als Kleingruppe wanderten wir von unserem zweiten Hotel die 2,5 Kilometer zu den Kalkstein-Terrassen und verbrachten dort einen erholsamen Tag. Im lauwarmen Wasserkanal waren wir barfuß den Berghang nach oben gestiegen, wo das Quellwasser mit 35 Grad zuerst durch ein Freizeitbad-Paradies geleitet wird. Auf den Busreisen von Hotel zu Hotel gab es drei obligatorische Stopps: alle Reisenden wurden durch ein großes Schmuckgeschäft, ein Lederwarengeschäft mit Modenschau und ein riesiges Teppichzentrum geschleust. Die Verkäufer boten kostenlos Getränke an, waren bestens geschult und sprachen gutes Deutsch. Und tatsächlich, sie lesen jeden Wunsch von den Augen ab und verwickeln einen in ein Verkaufsgespräch, dem nicht jeder widerstehen kann. Wir machten aus der Not eine Tugend und kamen in ganz persönliche Gespräche – auch über unser Christsein.

Das dritte Hotel lag ebenfalls am Meer, doch über 40 Kilometer östlich von Antalya. Das Frühstücksbüfett war jeweils sehr reichhaltig und einladend. Da es Sonntag war und wir Türkisch verstehen, wollten wir gerne den Gottesdienst in Antalya besuchen – wir hatten schon vorher Kontakt aufgenommen. Mit Linienbus, Sammeltaxi und Taxi erreichten wir schließlich nach zwei Stunden unser Ziel. Ohne Türkisch-Kenntnisse wäre es sehr schwierig gewesen, den Weg zu finden. Dass am Eingang zum Grundstück ein Wärter jeden Eintretenden kontrollierte, zeigte uns, in welcher Situation die Christen leben. Wir wurden aber herzlich willkommen geheißen und genossen die lebendige Gemeinschaft im Gottesdienst und anschließend beim Tee im Garten.

 

Als Tourist eine einheimische Gemeinde besuchen?

In der Regel raten wir davon ab. Denn wer versteht genügend Türkisch? Nur Zaungast sein, ohne Gemeinschaft zu haben? Ich weiß von einzelnen Gemeinden, die sich z.B. darauf geeinigt hatten, Touristen nur einmal im Monat zuzulassen. Wenn die Gemeinde aus 25 Personen besteht und 12 Touristen kommen dazu, dann fühlt sich solch eine Gemeinde leicht überfordert. Auf jeden Fall sollte man vorher mit jemand aus der Gemeinde sprechen, ob ein Besuch möglich ist. Zu empfehlen sind die internationalen Gemeinden, in denen meist auch Englisch gesprochen wird. Sie sind in den großen Städten zu finden.

 

Eine Einschätzung zu Billig-Reisen

Die Flüge sind im Winterhalbjahr bedeutend billiger. Hotels und Pensionen sind in den vergangenen 20 Jahren in großem Stil gebaut worden und sollen möglichst auch außerhalb der Saison belegt werden. Der Reiseführer bemüht sich, während der Busfahrten viele Details zur Kultur, dem Glauben, der Landwirtschaft, dem Gewerbe usw. des Landes zu sagen. Wer die zusätzlichen Pauschalangebote nicht gebucht hat, muss sich bemühen, Abfahrtszeiten oder Programmänderungen rechtzeitig mitzubekommen. Wer an Erholung gedacht hat, der wird sie stunden- oder tageweise finden können. Doch durch die Transfers und Geschäftsbesuche ist viel an Zeit verplant. Manche der Hotels liegen mitten im freien Feld. Wer etwas essen will, muss sich auf die Suche im nächsten Dorf machen.

 

Was kann man als Christ an Literatur mitnehmen?

Zunächst sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass Türken viel selbstverständlicher über ihren Glauben sprechen als wir. Das erfordert ein Umdenken. Auch ich als Tourist kann offen von meinem Glauben sprechen – wenn man sich sprachlich verständigen kann. Zusätzlich kann zur Vertiefung oder als Mitbringsel etwas zum Lesen angeboten werden. Von Vorteil ist es, wenn das Büchlein in der Türkei gedruckt wurde bzw. von einem türkischen Autor stammt. Wahrscheinlich werden wir selten eine Ablehnung erfahren, weil in dieser Kultur ungern jemand dem andern ein offenes Nein zumutet. Als Touristen wird uns zugestanden, wenn wir etwas Christliches weitergeben. Die Chance ist groß, dass auf diese Weise jemand zum allerersten Mal von Jesus erfährt.  Passende Literatur können Sie bei unserer Rubrik „Literatur“ finden.

 

Orientierung 2012-03; 01.07.2012

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