In der Fußgängerzone einer westdeutschen Stadt bin ich für einen Büchertisch mit Bibeln und Literatur in verschiedenen Sprachen verantwortlich. Es gibt eine steigende Zahl von strenggläubigen Muslimen in der Stadt und auch in meinem Wohnviertel, wo vor zehn Jahren kaum Muslime wohnten. Es wird in der Nähe sogar eine Moschee von einer speziellen Gruppe gebaut, die vor Konsequenzen gewarnt hatte, wenn sie nicht bauen dürfe.

Vor einiger Zeit hatte ich keine Freude mehr an meiner Aufgabe am Büchertisch, weil sich Angst breit machte. Ich hatte Angst um das Wohl meiner Familie, das Auto, und um mein alltägliches normales persönliches Leben und Gesundheit. Ich hatte zwar keine Angst vor dem Feind (Widersacher), aber davor, was Gott zulassen oder tun würde. Ich fragte mich, wie andere Christen in konkret feindlich gesinnter muslimischer Umgebung mit unmittelbarer Gefahr klar kommen. Und was könnte mir helfen, von den Gedanken frei zu werden, in denen ich gefangen war?

Die Aussage in 2. Korinther 6,4ff „In allem erweisen wir uns als Diener Gottes“ erinnerte mich: das gilt für jede Situation. Der zweite Gedanke war ein genialer: „Die Liebe zu Gott soll immer größer sein als die Angst!“ – darum bat ich den Herrn. Durch Gottes Gnade kamen wieder Friede und Freude zurück (Joh 16,33). Ich dachte an meine erste Zeit als Christ. Damals hatte ich mit Gott vereinbart, nicht mehr an seiner Liebe zu zweifeln. Denn die Bibel bezeugt, Gott ist Liebe und dies ist besonders durch Jesus ein für alle Mal klar.

So beschloss ich wieder neu, nicht mehr an Gottes Liebe zu zweifeln. Mein Leben gehört Gott und auch meine Familie. Wenn er mich berufen hat für eine bestimmte Aufgabe, hat er auch einen Plan und die Macht dazu. Ich sagte dem Herrn, dass ich auch bereit bin zum Sterben, ich kann mein Leben ja sowieso nicht festhalten. „Wenn ich nur dich habe…!“ (Ps 73,25)

Mir half auch ein Gedanke von Corrie ten Boom. Sie sagte, sie habe sich entschieden, kein Selbstmitleid zu haben. Deshalb entschied ich, diese Technik zu nutzen und keine Angst mehr zu haben, wenn solche Gedanken wieder kommen. Natürlich bleibt eine vernünftige Furcht und Vorsicht, aber die lähmende Angst, die mich kontrollierte, ist weg.

Gott sagte zu Josua angesichts einer überdimensionalen Aufgabe „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig bist“ (Jos 1,9). Wie viel mehr gilt diese Zusage für meine viel kleineren Dinge des Dienstes. Die Hilfen, die Gott mir gezeigt hat, muss ich natürlich immer wieder anwenden, weil es normal ist, mit Glaubensprüfungen zu leben. Aber statt Angst ist jetzt wieder Trost und Freude die Grundstimmung meines Lebens.

 

Orientierung 2012-03; 01.07.2012

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