Auf die Frage „Wie geht es Dir?“ beginnen und beenden meine muslimischen Freundinnen ihre Antwort meistens mit „Danke Gott“ oder „Gott sei Dank“. Als ich es noch nicht gewohnt war, freute ich mich zuerst immer darüber, weil ich erwartete, dass sie mir viele gute Dinge und die Lösung ihrer Probleme erzählen würden. Irritiert war ich, dass sie mir statt dessen überwiegend von vielen Sorgen und Schwierigkeiten in ihrem Leben berichteten. Auch gibt es ein vielfaches „Hamdullah“ bei Muslimen zu Beginn einer Plauderei, wenn sie sich irgendwo begegnen. Arabische Christen benutzen die Formel nicht, sondern antworten mit „gut“ bzw. „Wir danken dem HERRN“ (naschkuru-rrabb).

Ich höre meine muslimischen Freundinnen öfter Gott danken, als dass sie von mir hören, wie ich Gott danke. Das gab mir zu denken. Sie danken Gott mit einer Formel, weil sie so aufgewachsen sind, weil es zur Tradition und weil es zum guten Ton Gott und den Menschen gegenüber gehört. Durch Dank wird Gott geehrt; sicher soll „Danke Gott“ auch vor Sünde und Bösem schützen. Es ist oft ernst gemeint, nicht immer wird es nur der Form halber ausgesprochen. Die guten und schlechten Dinge im Leben sehen meine muslimischen Freundinnen als Prüfung von Gott an. Sie danken Gott für alles, damit sie die Prüfung bestehen werden.
Dies alles ließ mich natürlich an dies Bibelwort denken: „Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für Euch“ (1.Thess 5,18). Gott hat den Menschen zu seiner Ehre geschaffen. In der Bibel wird besonders Gottes Volk aufgerufen, Gott zu danken. Das hat mich dazu gebracht, dieses Bibelwort bewusster umzusetzen und mir den Dank zu Gott in Gedanken und Worten mehr anzugewöhnen. Was Gott in meinem Leben getan hat, ist so wunderbar, aber wie oft tritt Klage an die Oberfläche? Das Geschenk der Rettung durch Jesus und der Hilfe Gottes jeden Tag ist Grund dafür zu danken und davon zu erzählen, damit die Menschen einen Unterschied sehen zwischen einem Leben mit und ohne Jesus.

Das passt zu dir!
Wenn ich muslimische Bekannte besuche, sehe ich oft interessante und schöne Sachen. Manche Muslime bieten einem genau die Dinge zum Geschenk an, die man bewundert hat. Damit mir das nicht mehr passiert, sage ich immer: „Dies … ist sehr schön, tolles Design, es passt so gut in deine Wohnung.“ „Das Kleidungsstück, es ist sehr hübsch, wunderschöne Farbe, es passt so gut zu dir.“ Manchmal füge ich dazu, dass es bei oder zu mir nicht passen würde, es mir aber bei ihr gefällt.

Auslöser für „Das passt genau zu dir“ war ein Erlebnis vor einigen Jahren. Bei einem Besuch fand ich es ziemlich erstaunlich, wie schnell mir eine Vase mit kleinen Perlmuttvögeln, die meine Freundin selbst sehr schön fand, von ihr überreicht wurde. Ich lehnte ab, aber damit ich sie mitnehme, sagte sie: „Für deine Kinder!“ Da ich sie nicht abweisen wollte, sagte ich: „Ja, das ist nett, danke, aber ich leihe sie nur aus.“ Nach einiger Zeit brachte ich ihre Vase zurück. Wir beide waren erleichtert und haben uns gefreut.

Orientierung 2013-05; 27.11.2013
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