Kann eine multinationale Gemeinde eine Einheit sein?
Wie „Orientalen in der Gemeinde“ leben können, zeigen vier verschiedene Modelle. 
Eine Variante ist die wohl häufigste und natürlichste: Orientalen integrieren sich in unsere deutschen Gemeinden. Vermutlich wäre das uns Deutschen am liebsten, aber nur Einzelne können sich so stark von ihrer bisherigen Kultur lösen und sich ganz uns anpassen. 
Die zweite Variante besteht aus zwei, drei oder mehr Gemeinden, die unter einem Dach dieselben Räumlichkeiten benützen und sich im Idealfall von Zeit zu Zeit gegenseitig begegnen und einen gemeinsamen internationalen Gottesdienst feiern. 
Die dritte Möglichkeit funktioniert als rein orientalische Gemeinde. Sie ist selbständig und beruft selbst ihre Ältesten und Gemeindeleitung.
Die vierte Variante sieht ungefähr so aus: Etwa 250 Erwachsene aus etwa 40 Nationen treffen sich jeden Sonntag zum Gottesdienst der „International Baptist Church“ in Hamburg: ein ethnisches Farbenmeer! Sie repräsentieren eine Vielfalt von Denominationen, und doch verbindet sie eine Natürlichkeit des warmherzigen Umgangs miteinander, wie ich es in Hamburg in keiner anderen Gemeinde kenne. Etwa ein Viertel kommt aus Asien, ein Viertel aus Afrika, ein Achtel aus Südamerika, und drei Achtel aus Europa bzw. Nordamerika – die drei ersten Gruppen tragen insbesondere zur emotionalen Herzlichkeit und Freimütigkeit bei, und doch liegt das Geheimnis dieser herzlichen Gemeinsamkeit im gemeinsamen Fokus auf den gemeinsamen Herrn der Gemeinde: JESUS! Mir scheint es, dass vier Schwerpunkte gesetzt werden, die sehr zu dem lebendigen und harmonischen Leben der Gemeinde beitragen:

1. Predigten, durch die Gott in die Schlüsselbereiche unseres Lebens sprechen kann und uns so verändert, dass wir sein Wort wirklich ausleben.

2. Eine klare Strategie, die sich besonders um den Aufbau einer breit gefächerten Leiterschaft, die Förderung des geistlichen Lebens der Einzelnen durch intensive Seelsorge, gezielte evangelistische Aktivitäten und eine Christus-zentrierte Integration der kulturellen Vielfalt bemüht.

3. Flexibel sein für die ethnische und kulturelle Vielfalt des geistlichen Ausdrucks im Gottesdienst, insbesondere im musikalischen Bereich.

4. Eine intensive Gemeinschaft nach dem Gottesdienst. Viele führen noch ein bis zwei Stunden (!) miteinander Gespräche: in Englisch, der Gottesdienstsprache, Deutsch, der Landessprache, oder in anderen National- oder Stammessprachen. Eine philippinische Gruppe sorgt für die leibliche Versorgung. Dies wird ergänzt durch multikulturelle (wenn auch zum Teil sprachlich fixierte) Hauskreise, evangelistische Gruppen und Freundschaftsbeziehungen.

Mir scheint, dass nur eine intensive Fokussierung auf Christus und die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel zu einer erfolgreichen Integration führen können. Dieses Ziel liegt über der ethnisch-kulturellen Ebene und schließt alle ein. Der Schwerpunkt muss auf der Darstellung des geistlichen Lebens in den verschiedenen ethnischen Kulturen liegen und nicht auf der Betonung der ethnisch-kulturellen Eigenarten an sich. Jesus vermag tatsächlich eine Einheit Seiner Liebe zu schaffen, jedoch nur, wenn Er das Zentrum ist! (s. a. www.ibc-hamburg.de)

Orientierung 2013-02; 08.04.2013
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