Kaffeesatz-Lesen und die Auswirkungen

Dieses Erlebnis ist liegt schon einige Jahre zurück und geschah in der Türkei. Als ganze Familie wurden wir in eine gutbürgerliche Kleinfamilie eingeladen. Da wir damals kein Auto hatten, holte uns unser Gastgeber ab. Im gut gepflegten Wohnzimmer sprachen wir bei Tschai und Gebäck mit der Gastgeberfamilie über verschiedene Themen, vor allem über die Unterschiede in unseren Kulturen, wie z.B. „Wieso sind deutsche Männer nicht so eifersüchtig?“ Weitere befreundete Ehepaare unserer Gastgeber kamen zu Besuch. So gab es im Wohnzimmer eine große Runde mit Erwachsenen, während die Kinder im Kinderzimmer spielten.

Neben dem üblichen Tschai bot man auch Kaffee in kleinen Mokkatassen an. Dabei wird der gemahlene Kaffee in den Tassen mit heißem Wasser überbrüht. Der Kaffee braucht nun ein wenig Zeit, sich zu setzen. Einzelne tranken diesen Kaffee. Dabei beobachtete ich, dass ein Mann eine leergetrunkene Tasse umstülpte und den Kaffeesatz auf seinen Unterteller fließen ließ. Er schaute interessiert in die leere Tasse hinein, die am Rand und auf dem Boden noch Kaffeesatz kleben hatte. Bis zu diesem Moment liefen die Gespräche im Raum eher verteilt, doch das Verhalten des Mannes weckte die Neugier, und jeder blickte auf ihn. – Ich hatte damals schon von der Wahrsagepraxis des „Kaffeesatz-Lesens“ gehört, hatte aber diese Praxis noch nie gesehen. – In der Runde schien es eher eine Art Zeitvertreib verbunden mit Neugier zu sein, etwas aus der Zukunft auf diesem Wege zu erfahren. Eine echte Not schien niemanden umzutreiben. Ich habe darauf hingewiesen, dass Gott uns in der Bibel warnt, uns mit Wahrsagerei und Ähnlichem zu beschäftigen (5. Mose 18,9ff). Später wurde mir bewusst, dass jeder in schwere Bedrängnisse kommt, wenn er auf solche Weise Hilfe sucht. Viele öffnen sich dann abergläubischen Praktiken (nicht nur dem „Kaffeesatz-Lesen“), weil ihnen von Allah keine Hilfe entgegenkommt. Nicht die Not ist das Problem, aber die Quelle, bei der, der Einzelne Hilfe sucht! Eine unserer türkischen Gläubigen sagte: „Ich habe zu Allah gebetet, zu Mohammed, zu Ali; …“ danach hat sie noch Dinge genannt, die man zum Aberglauben zählt. „aber nichts und niemand hat mir geholfen. Nur Jesus hat mir wirklich geholfen!“

 

Orientierung 2011-02; 20.04.2011

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