Behandle andere so, wie du behandelt werden willst! Dazu fordert Jesus die Menschen heraus, die ihm folgen wollen. Wenn Menschen aus anderen Kulturen nach Deutschland kommen, kann das so aussehen:

 

Ihren ersten Umzug hatte Familie Camara (* Namen geändert) noch mit der Straßenbahn gemacht. Dieses Mal hatten wir als Freunde einen Umzug mit Kleintransporter organisiert. Zum ersten Mal in ihrem Leben klebten sie Tapeten. Zwischendurch gab es immer dann Pausen, wenn der schlanke Familienvater sich aufs Gebet zwischen Tapetenrollen und Kleistereimern vorbereitete. Ein kleiner Kompass half ihm dabei, sich in Richtung Mekka zu knien. Später freute sich die Familie an ihrer neuen gebrauchten Küche und den gut funktionierenden Lampen. Wochen danach, als er feierlich eine Flasche Wasser öffnete, bekannte Mahmadou Camara: Wenn ich auch nicht an euren Gott glaube, so hat er mir doch sehr geholfen.

Die Aufforderung von Jesus, mit anderen Menschen so umzugehen, wie man es sich für sich selber wünschen würde, ist so schlicht wie anspruchsvoll. Aber immer sehr lebensnah und praktisch.

Das gilt auch für den Umgang mit den syrischen Flüchtlingen, die eine Zeitlang an der Katharinentreppe in Dortmund mit einer Art Camp auf ihre Situation aufmerksam gemacht haben. Natürlich war es einfach, dort eine Petition zu unterschreiben. Wer würde nicht wollen, dass seine eigene Familie schnellstmöglich aus dem derzeitig gefährlichsten Land der Welt herausgeholt werden kann?!

Als wir ihnen Getränke, Brot und Käse brachten, sahen wir, dass sie für das Fastenbrechen an diesem Tag im Ramadan Reis gekauft hatten. Und weil sie den nicht kochen konnten, kochten wir ihn für sie. Später saßen wir zusammen und aßen gemeinsam mit etwa einhundert Menschen auf Isomatten und Plastikplanen. Als sie uns am nächsten Morgen einen blitzblanken Topf zurückgaben, sagte einer der Aktivisten Mama und Papa zu uns.

 Sie dürfen diesen Artikel frei kopieren unter Angabe der Herkunft: www.orientierung-m.de