Erfahrungen aus einer Kinder- und Jugendarbeit in der Schweiz zeigen manche grundsätzlichen Gedanken, die Anregungen geben für die Begegnung mit muslimischen Kindern

Voller Freude und Ideen, aber auch gefordert, manchmal überfordert und ratlos fühlen sich manche Mitarbeiter, die auch muslimische Kinder in ihren Gruppen haben. Inwiefern sollte das Programm an die muslimischen Kinder angepasst werden? Was gilt es zu beachten, damit Vertrauen entstehen kann und diese Kinder längerfristig in einen christlichen Treff kommen dürfen? Christen begegnen Muslimen hat dazu in der Schweiz einen eigenen Bereich Jugend/Kind ins Leben gerufen, um Kinder- und Jugendmitarbeiter in der Arbeit mit jungen Muslimen unterstützen zu können.

 

Welche Faktoren sind in der Arbeit mit Migrantenkindern zentral?

 

Elternarbeit

Wer muslimische Kinder anspricht, kommt nicht darum herum, mit ihren Eltern Kontakt aufzunehmen. So ruft eine Leiterin vor dem Programm zuhause an oder geht persönlich vorbei, um die Kinder einzuladen und lässt sich dabei von der herzlichen Gastfreundschaft beschenken. Ein- bis zweimal im Jahr wird ein Fest gefeiert, zu dem die Eltern beziehungsweise die ganze Familie eingeladen ist. Durch den Kontakt zu den Eltern kommen ihre Nöte zutage, und oft gilt es auch diesen zu begegnen und ihnen zu helfen. So ist zum Beispiel aus diesem Bedürfnis heraus eine Anlaufstelle eröffnet worden, die einen Tag pro Woche für die Eltern zugänglich ist. Bei Programmen, die draußen stattfinden, können Eltern zuschauen und erhalten dadurch Einblick in die Aktivitäten ihres Kindes. Das schafft Vertrauen.

 

Evangelium und Koran

Es ist sicher ratsam, mit alttestamentlichen Geschichten zu starten, am besten mit Geschichten, die auch Muslimen bekannt sind, wie die Josefsgeschichte. Dann kann aber auch von Jesus und seinen Jüngern erzählt werden und von seinen Wundern. Jesus ist den Muslimen bekannt als jemand, der Wunder tut. Hier kann der Bezug zum Koran hergestellt werden, z. B. mit Sure 3,49. Trotzdem muss man sich der Gefahr der Vermischung der Religionen bewusst werden, und der Bezug zum Koran oder zur Bibel sollte immer klar formuliert werden. Wenn Kinder merken, dass man sich auch mit dem Islam beschäftigt hat, stellen sie oft weitere Fragen.

Islamkenntnisse sind hilfreich, aber zu Beginn nicht zwingend. Vor allem dienen Islam- und Kulturkenntnisse der Vertrauensbildung, der Elternarbeit und der eigenen Sicherheit im geistlichen Programm.

Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, die Nöte und Anliegen der Kinder ins Thema zu integrieren, ihnen die Basics zu vermitteln (Gott hat mich geschaffen, er liebt mich, er ist mir nah, er vergibt mir, …) und Geschichten zu erzählen, die ihnen für ihren Alltag weiterhelfen.

Wie sieht es aber aus, wenn Kinder Jesus in ihr Herz aufnehmen wollen? Einige machen Aufrufe, Jesus als Freund ins Herz einzuladen, andere Gruppen verzichten darauf und möchten viel mehr den Kindern das mitgeben, was sie für eine spätere Entscheidung für die Nachfolge brauchen.

 

Unterschiedliche Methoden und Strukturen – unterschiedliche Stärken

Disziplinprobleme werden oft genannt, wenn es um die Arbeit mit Migrantenkindern geht. Häufig sind Migrantenkinder lebendiger, manchmal auch zuhause zu wenig betreut und darum in der Gruppe anspruchsvoll. Umso wichtiger ist es dann, nicht den Islam dafür verantwortlich zu machen, sondern Strukturen im Programm zu setzen, die den Kindern Bewegungs- und Ruhephasen ermöglichen.

Ob nun die Kinderprogramme in der Art einer Kinderstunde oder Quartiertreffarbeit (Stadtteil-arbeit), einer Jungschar oder als Programm mit Bühne im Freien stattfinden, ist für den Einbezug von jungen Muslimen weniger wichtig. Trotzdem zeigen die verschiedenen Arten, oft auch Mischformen, ihre eigenen Stärken diesbezüglich:

 

Bühne im Freien: Die Kinder können kommen und gehen, wie sie wollen. Auch Eltern dürfen zuschauen. Ein offenes Programm schafft Transparenz. Trotzdem ist die Elternarbeit im Quartier (Stadtteil) nicht wegzudenken. Es braucht Orte und Zeiten, in denen Leiter/innen persönlich auf die Kinder und Eltern eingehen können.

Jungschar: Ganzheitliches Programm: Häufig fehlen Kindern mit Migrationshintergrund Primärerlebnisse. In einem 3-stündigen Programm kann viel miteinander erlebt werden und man kommt dabei leicht mit den Kindern ins Gespräch (Erlebnispädagogik). Der Treffpunkt auf dem Schulhausplatz (Schulhof) mit anschließender Spielzeit ermöglicht den Einstieg an einem ihnen vertrauten Ort.

Quartiertreffarbeit: Die Familie wird stark einbezogen. Besuche bei den Nachbarn, oder Einladen von Kindern und Eltern ins eigene Haus, schaffen Vertrauen. Die ganzheitliche Familienarbeit hat Vorrang.

 

Auch wenn sich muslimische Kinder von anderen Migrantenkindern unterscheiden mögen, so ist doch allen Kindern, auch den christlichen gleich: Alle wollen geliebt und angenommen sein und alle brauchen Hoffnung in Nöten und Beistand. Wir wollen muslimische Kinder nicht zu Bekehrungsobjekten degradieren, sondern mit ihnen leben und Christus in uns. Und wir wollen für sie beten und vertrauen, dass Gott zu ihnen spricht.

Was aber, wenn die Kinder zu Teenagern werden? Es lohnt sich, sich darüber früh genug Gedanken zu machen. In einem späteren Heft soll die Thematik ‚Muslimische Jugendliche und Möglichkeiten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen‘, beleuchtet werden. Wer regelmäßige Infos zur Arbeit mit muslimischen Kindern und Jugendlichen erhalten möchte, kann unter jugendkind@cmnet.org den vier Mal jährlichen Infobrief erhalten.

Orientierung 2012-02; 15.04.2012