Als Junge war er schon ein begabter Fußballer. Sein Traum – und wohl auch der Traum seines Vaters: dass er wie manche anderen jungen Migranten eine tolle Fußballkarriere machen werde. Als ältester Sohn wurde er seinen Brüdern vorgezogen und ziemlich verwöhnt. Sich in der Schule viel Mühe zu geben, erschien nicht so wichtig; das Ziel war ja „Fußballstar“. Wie viel Anstrengung und hartes Training auch im Sport nötig sind, um wirklich „gut“ zu werden, hat er wohl nicht geahnt. Seinem Vater war für ihn als dem ältesten Sohne immer nur das Beste gut genug. Entsprechend wuchsen seine Ansprüche. Dann kam ein erstes Mal heraus, dass er sogar seine eigene Familie bestohlen hatte, um sich das leisten zu können, was ihm seiner Meinung nach zustand. Dazu gehörten wohl auch Drogen. Wir hofften damals, diese schockierende Erfahrung werde ihn und seine ganze Familie aus ihren Illusionen aufwecken und zu grundlegenden Änderungen veranlassen. Aber es ging bei ihm weiter mit seinen Betrügereien…

Vor einigen Wochen erfuhren wir nun von seiner Mutter, dass er als Dieb und wegen verschiedener anderer Delikte im Gefängnis gelandet sei. – Auch für ihn – und seine ganze Familie – beten wir. Denn Jesus sagt: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken“ (Lk 5,31), und: „Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,10) Wie viel auch die Einzelnen falsch gemacht haben – es kann nicht unsere Aufgabe sein, nur auf die Schuld hinzuweisen und die Fehler zu verurteilen. Denn „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde.“ (Joh 3,17)

Orientierung 2014-02; 01.06.2014
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