Wir waren dabei, Fragen für unser nun vorliegendes „Praxisheft“ zu sammeln. Ein wenig scherzhaft wurde genannt: MMM: „Muss ich Muslime mögen?“ Spontan kam die Antwort: „Nein, nicht unbedingt – aber lieben!“

Mögen und Lieben

Sicherlich kann man beide Wörter in manchen Zusammenhängen austauschen: „Ich mag Erbsensuppe“ oder „Ich liebe Erbsensuppe“ – wobei das zweite vielleicht ein wenig zu schwärmerisch klingt. „Ich mag gute Bücher“ oder „Ich liebe gute Bücher“ – das geht wohl schon eher.

Bei „mögen“ geht’s in der Regel eher um Sympathie; jemand oder etwas gefällt mir. Das ist oft sogar völlig unabhängig von einer bewussten Entscheidung: jemand mag Vanilleeis oder er mag es eben nicht! Was ich mag oder nicht mag, ist „Geschmacksache“.

Wenn von „Liebe“ die Rede ist – jedenfalls, wenn damit die biblische Agape-Liebe gemeint ist – ist meine Entscheidung gefragt: Will ich mich jemandem zuwenden, auch wenn er mir nicht sympathisch ist? Will ich das Beste für ihn suchen? Will ich ihm, soweit es in meiner Macht steht, Gutes tun?

 

Es gibt kein „Möge-Gebot“

Jesus Christus sagt: zum größten Gebot, Gott von ganzem Herzen zu lieben, gehört auch: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ In der Bergpredigt steht sogar seine Aussage: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde…!“ (Mt 5,44)

Er erwartet offensichtlich nicht von uns, dass wir alle unsere Nächsten mögen, sie nett und sympathisch finden. Es könnten ja auch Feinde darunter sein, die uns schaden wollen. Aber lieben sollen wir unseren Nächsten, wer es auch immer gerade ist.

Offensichtlich ist Jesus Christus überzeugt, dass man Liebe gebieten kann. Wenn ein Befehl nicht ausführbar ist, ist er unsinnig. Gehorsam ist aber unter zwei Bedingungen möglich: 1) derjenige, dem der Befehl gegeben wird, ist dazu fähig, ihn auszuführen – oder 2) derjenige, der den Befehl gibt, befähigt auch dazu, den Befehl in die Tat umzusetzen.

 

Das Liebesgebot „funktioniert“ nur auf die zweite Art:

a) Wir können nur lieben als Menschen, denen Gottes Liebe gewiss ist. Und das ist sie für alle, die an Jesus Christus glauben. In Römer 5,8 heißt es: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“ Dass Jesus Christus Sein Leben für uns geopfert hat, ist der Beweis Seiner Liebe – und diese Liebe ist nicht davon abhängig, ob wir Gott „sympathisch“ sind: Seine Liebe war schon da, als wir noch Sünder waren, als wir noch Seine Feinde waren (V. 10).

b) Wir brauchen eine Kraftquelle für unsere Liebe – und auch damit hat uns Gott beschenkt: „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.“ (Röm. 5,5)

Unter den Muslimen, die ich kenne, gibt es einige, die ich sehr „mag“, und ein paar, die ich „nicht so sehr mag“, und viele irgendwo dazwischen. Für sie alle wünsche ich das Beste, was ich mir ausdenken kann: dass sie Gottes Liebe in Jesus Christus erkennen und annehmen. Darum bete ich für sie und arbeite daran, dass ich sie ganz praktisch lieben lerne.

 

Orientierung 2013-02; 08.04.2013

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