Gottes Geist arbeitet auf eine völlig andere unerwartete Weise

 

Da Gott der Schöpfer des Universums ist, gebührt Ihm eigentlich auch das Recht zu regieren. Das wird in Bibel und Koran zunächst einmal ganz ähnlich gesehen. Nichts kann bestehen, wenn Er es nicht am Dasein erhält, und nichts kann geschehen, wenn Er es nicht zulässt.

Doch auch darin stimmen Bibel und Koran überein: es gibt Menschen, die Gottes Gebote nicht befolgen, die nicht Seinen Willen tun. Das ist ja die Ursache für viel Ungerechtigkeit und Leid. Muslime und Christen erwarten: Wenn sich mehr Menschen der Herrschaft Gottes unterstellten, würden sicherlich Gerechtigkeit und Frieden zunehmen.

 

Äußere Vorschriften?

Wie geschieht aber Gottes Herrschaft, und wie kann sie ausgebreitet werden? Geht es im „Reich Gottes” darum, dass Seine Gebote eingehalten werden, die großen wie die kleinen – einschließlich genauer Vorschriften bezüglich Essen und Trinken, Kleidung etc.? Viele meinen: Nur dann hätten wir in allen Einzelheiten Gewissheit, das zu tun, was Gott gefällt. Dann gälte für alle das selbe Verhalten als richtig, und dann könnte man auch an Äußerlichkeiten sehen, ob es jemand mit seinem Glaubensleben ernst meint.

Ganz davon abgesehen, dass jemand sich äußerlich sehr korrekt verhalten und im Innern voller Gehässigkeit stecken kann.

Solche Gedanken bewegten auch die Gläubigen in den frühen christlichen Gemeinden. Da wurde unter anderem diskutiert, ob man als Christ alles essen dürfe (Röm 14,2), oder ob bestimmte Speisen (z.B. Fleisch, das des Götzen geweiht worden war – 1.Kor 8,4ff) verboten seien; ob man besondere Tage besonders beachten müsse (Röm 14,5) etc.

Die Antwort des Apostels Paulus auf solche Fragen lautete (kurz gefasst): „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Denn wer in diesem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt.” (Röm 14,17f)

Also nicht: Vorschriften bezüglich äußerlicher Verhaltensweisen. Wie soll man auch wirklich alles bis ins Einzelne regeln? Wenn es vielleicht möglich ist, die Bekleidungsvorschriften präzise genug festzulegen, wie will man z.B. definieren, welche Bewegungen und Gesten als zu aufreizend untersagt werden sollten? – Und sobald eine neue Situation eintritt, ist die Unsicherheit da, wie man sich denn nun verhalten soll. – Ganz davon abgesehen, dass jemand sich äußerlich sehr korrekt verhalten und im Inneren voller Gehässigkeit stecken kann.

 

Innere Erneuerung

Was wir Menschen brauchen, um so unter Gottes Herrschaft leben zu können, dass unser Leben Ihm gefällt, ist eine innere Erneuerung durch Gottes Geist. Unseren normalen Zustand beschreibt Jesus Christus mit den Worten: „aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen” (Mat 15,19f). Deshalb hatte Gott auch schon lange dem Volk Israel versprochen: „ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben, und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben … und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt…” (Hes 36,26f)

Gott hat es uns Menschen durch Jesus Christus möglich gemacht, ein neues Herz zu empfangen – und der Heilige Geist hilft uns dabei. Er deckt Sünde auf; das heißt er zeigt einem Menschen, dass vieles in seinem Tun und Denken im Widerspruch steht zu Gottes gutem, heiligem Willen. Doch der Heilige Geist lässt den Menschen dann nicht mit seiner Schuld alleine: er führt ihn hin zu Jesus Christus, durch den er Vergebung seiner Sünden empfangen kann.

 

Befreit und beschenkt

Wenn ein Mensch durch den Heiligen Geist unter Gottes Herrschaft gebracht wird, bewirkt das nach dem Zeugnis des Neuen Testaments als erstes Gerechtigkeit. Denn wer sein Leben – mit all seiner Schuld – Jesus Christus anvertraut, dem schenkt Gott Vergebung. Das ist das Erstaunliche an Gottes gnädiger Herrschaft: Er befreit Menschen von Schuld und spricht sie gerecht. Der Heilige Geist macht uns deutlich, dass wir diese Gerechtigkeit nur aus der Beziehung zu Gott haben. Nur weil Er durch Christus unsere Schuld beseitigt hat und weil Er uns immer wieder vergibt, sind wir gerecht. Selbstgerechtigkeit wäre vor Gott Ungerechtigkeit.

Wenn wir durch Gottes Gnade Vergebung empfangen haben, haben wir zugleichFrieden mit Gott (vgl. Röm 5,1). Auch dieser Friede wird uns durch den Heiligen Geist geschenkt – und auch hier sehen wir wieder staunend: „Herrschaft Gottes” bedeutet, dass Er in Seiner Liebe uns beschenkt. (Auf den Gedanken, dass Gott herrscht, indem Er beschenkt, käme wohl kaum ein Mensch von sich aus; das muss Er uns erst selber durch Seinen Geist deutlich machen.)

Weil der Heilige Geist uns die Augen dafür öffnet, wie sehr wir geliebt und wie reich wir durch Gottes Gnade beschenkt werden, füllt Er unsere Herzen auch mit Freude – auch mit der Freude darüber, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben sind (vgl. Lk 10,20).

Dieser Geist will uns auch leiten in den Einzelfragen unseres Alltags, aber nicht, indem Er uns mit einer Fülle von Einzelvorschriften konfrontiert. In Seiner Geduld schenkt Er uns Raum zum Wachstum – d.h. auch Raum, nicht gleich alles richtig zu machen, uns korrigieren zu lassen, dazu zu lernen.

Wie können wir nun an der Ausbreitung des „Reiches Gottes” mitarbeiten? – Grundlegend ist, dass wir selber mit der Hilfe des Heiligen Geistes unter Gottes Herrschaft bleiben und unserem Herrn Jesus Christus dienen wollen. Dann können wir auch bezeugen, dass Gott uns selber mit Gerechtigkeit, Frieden und Freude beschenkt hat, und andere einladen, sich ebenso beschenken zu lassen. Dass jemand diese Einladung annimmt und sich der gnädigen Herrschaft Gottes unterstellt, dazu wäre Zwang in irgendeiner Form das ungeeignetste Mittel. Der Heilige Geist zwingt nicht sondern lockt. Und wir dürfen und sollen um Sein Wirken bitten!
Orientierung 2002-05; 15.02.2000…

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