Das Auge ist das Fenster zur Seele. Das Auge ist für den muslimischen Bekannten sehr wichtig. Er versteht sich darauf, in den Augen die Gedanken und Absichten zu lesen. Nach seiner Überzeugung kann vom Auge auch Gefahr ausgehen. Als Besucher sollten wir z. B. mit Lob im Blick auf Kleinkinder vorsichtig sein. Nach volks-islamischem Denken könnten wir damit Dämonen auf das Kind aufmerksam machen, das „böse Auge“ (nazar) auf das Kind bringen, so dass es krank wird. Für verständnisvolle Christen ist es deshalb gut zu sagen: „Gott segne und bewahre das Kind und lasse es mit euch Eltern gesund aufwachsen“.

Was sagte Jesus über den „bösen Blick“?

Jesus erklärt uns den Ursprung des „bösen Auges“. Der Ursprung des „bösen Blickes“ oder „bösen Auges“ wird im Markusevangelium aufgedeckt: er liegt im Herzen des Menschen.

„Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken, Ehebruch, Hurerei, Mord, Dieberei, Habsucht, Bosheit, List, Ausschweifung, böses Auge (so wörtlich!), Lästerung, Hochmut, Torheit“ (Mk 7,21-22). Der griechische Text, der gewöhnlich dem Sinn entsprechend mit „Neid“ übersetzt wird, nimmt eine im Hebräischen geläufige Wendung auf („Semitismus“ – vgl. auch Mt 6,23 und 20,15).

Jesus hat hervorgehoben, was Menschen zu Sündern macht. Sünde ist nicht nur eine Tat gegen Gottes Gebote, sondern sie ist auch ein korruptes und totes Herz, das in jedem Menschen steckt. Das ist der Grund, warum wir für unsere toten Herzen Erneuerung brauchen. Ohne eine solche Erneuerung werden von uns Sündern mitten aus unseren Herzen u. a. solche „bösen Blicke“ ausgehen. Wenn man das Evangelium Türken weitergibt, kann man zu diesem Thema die alte, türkische „Kitabı Mukaddes“ Übersetzung benützen, weil diese den Ausdruck mit „kemgözlük“ (kemgöz = böser Blick) übersetzt. Siehe auch 1. Samuel 18,9-10.

Ich hoffe, dass Sie eine Brücke zum Evangelium für Türken und Menschen aus anderen Teilen der Welt schlagen können, die an das „böse Auge“ glauben. Wenn Sie das nächste Mal einen Döner kaufen, schauen Sie an die Wände und befragen Sie die Angestellten zur blauen Glasperle gegen den „bösen Blick“ (nazar boncuğu), dem vermeintlichen Schutz dagegen!

Orientierung 2011-02; 20.04.2011

 

NAZAR-GEBET

Die Türken bezeichnen einen Vers im Koran als „das Nazar Gebet“. Er wird oft benützt.

„Sprich: Ich sage nicht zu euch, dass die Schätze Gottes in meiner Gewalt sind, auch nicht, dass ich Gottes Geheimnisse weiß, auch sage ich nicht, dass ich ein Engel bin, sondern ich folge nur dem, was mir geoffenbart wurde. Sprich: Sollen wohl Blinde mit Sehenden gleichen Wert haben? Bedenkt ihr dieses denn nicht? Verkünde denen, die sich fürchten, dass sie zu ihrem Herrn versammelt werden, und dass sie außer ihm keinen Beschützer und Vermittler haben, damit sie sich hüten! Treibe die nicht hinweg, die ihren Herrn des Morgens und des Abends anrufen und sein Angesicht schauen wollen. Es ist nicht deine Sache, ihre Gesinnungen hierbei zu beurteilen, ebenso wenig wie sie dich beurteilen dürfen. Vertreibst du sie aber, so gehörst du zu den Frevlern.“ (Sure 6,50-52)

Für uns mag diese Sure nicht so logisch mit dem bösen Blick in Verbindung zu bringen sein, aber manche Muslime glauben daran.

Orientierung 2011-02; 20.04.2011

 

Betreten von Orten

Nach islamischer Lehre soll sich der Teufel besonders an feuchten und warmen Orten aufhalten, wie z. B. der Nase oder der Toilette. Um vor männlichen Teufeln (Al-Khubth) und weiblichen Teufeln (Al-Khabaa’ith) und ihren Übeln geschützt zu werden, sollen Muslime vor dem Betreten der Toilette Zuflucht bei Gott suchen. Außerdem praktizieren viele Muslime, die Toilette mit dem linken Fuß zuerst zu betreten und mit dem rechten herauszutreten (s.a.
http://kitabundsunnah.wordpress.com/2008/05/27/betreten-und-verlassen-der-toilette/ ).

Orientierung 2011-02; 20.04.2011