Wie können wir Muslime an Weihnachten beschenken? Hier finden Sie eine Anleitung, wie Sie Muslime über Weihnachten einladen und den Tag gestalten können.

Für viele Menschen mit Migrationshintergrund ist Weihnachten die schlimmste Zeit des Jahres, insbesondere für Muslime. Alles ist bunt geschmückt für ein Fest, bei dem man nicht dabei ist. Vielleicht muss man sich auch noch seinen Kindern gegenüber rechtfertigen, warum man nicht mitmacht. Besonders über die Feiertage sind alle Deutschen mit sich selbst beschäftigt und feiern ein Fest, das man vielleicht nicht ganz versteht, das aber etwas mit einem dicken roten Mann zu tun zu haben scheint. Es ist eben ein Fest der Christen – Zutritt nicht erwünscht. Zu allem Überfluss sind dann noch alle Geschäfte und Freizeitmöglichkeiten geschlossen. So bleibt einem als Muslim nichts übrig, als zu Hause zu sitzen, sich zu langweilen und sich ausgegrenzt zu fühlen.

Schade, wenn das Fest der Liebe Gottes zu allen Menschen so wahrgenommen wird. Doch, was können wir tun, dass auch „der Fremde, der bei uns wohnt“ (3.Mo 19,34), eine Chance hat, Weihnachten kennen zu lernen und Gottes Geschenk in Jesus zu entdecken?

Dafür möchten wir zwei Anregungen geben. Unsere Aktion richtet sich besonders an türkischstämmige Migranten, aber man kann auch Asylbewerber oder andere Mitmenschen auf diese Art und Weise beschenken.

 

1. Machen Sie mit bei der Geschenkaktion!

Egal, ob der Kassiererin im Supermarkt, dem Arbeitskollegen oder Ihrem Nachbarn – machen Sie doch ein kleines aber feines Weihnachtsgeschenk! Hier haben wir für Sie einige Vorschläge, was darin sein kann:

  1. Eine DVD mit dem Jesusfilm in 16 Sprachen (Infos und größere Bestellungen unter http://www.campus-d.de/mitmachen/material/jesusfilm.html)
  2. Selbstgebackene Plätzchen in Form von Sternen, Herzen oder Schäfchen.
  3. Weihnachtliche Kleinigkeiten wie Strohsterne, Zuckerstangen oder eine Kerze. Weihnachtsmänner, Tannenbäumchen oder ähnliches, das vom eigentlichen Sinn von Weihnachten ablenkt, darf man fröhlich weglassen.
  4. Ein Kalender für das bald beginnende neue Jahr.

Weihnachtliche Kleinigkeiten sowie Zellophan-Tütchen für Plätzchen findet man bei TEDI, KiK oder ähnlichen Läden. Wenn man das Ganze nett verpackt oder in eine Geschenktüte füllt, hat man ein tolles Geschenk, das man einfach so abgeben kann. Oder noch besser: bei einem adventlichen oder weihnachtlichen Besuch vorbeibringen, ein bisschen Zeit für einen kleinen Plausch einplanen und das Geschenk bei einer heißen Tasse Tee erklären. Das zeigt echtes Interesse und Wertschätzung und ist gerade in orientalischen Kulturen sehr wichtig.

 

2. Empfangen Sie Weihnachtsgäste!

Die Gäste, die Gottes Sohn empfangen hat, waren zuerst Hirten mit ihrem ihnen anhaftenden speziellen Geruch. Sie traten vermutlich rau und kauzig auf und dann kamen die Gelehrten aus Persien. Keine sehr weihnachtliche Kombination, oder doch?

Feiern Sie doch dieses Jahr Weihnachten einmal anders, ursprünglicher! Vielleicht kennen Sie ja einen Asylbewerber oder eine türkische Familie, die Sie einladen könnten?

 

Tipps für muslimische Weihnachtsgäste

1. Überlegen Sie sich, was Sie sich für diese besondere Feier vorstellen können. Wie läuft normalerweise Ihr Weihnachten ab? Was möchten Sie dieses Jahr machen? Was ist typisch, was ist wichtig, was kann man weglassen oder verändern?

2. Nehmen Sie rechtzeitig (aber nicht zu lange vorher) Kontakt mit Ihrem Gast auf, und schlagen Sie vor, was Sie gerne machen würden, z.B. Besuch der Kirche zum Krippenspiel, anschließendes Abendessen und ein gemütlicher Abend mit kleinen(!) Geschenken. Ihr Gast sollte wissen, auf was er sich einlässt und auch sagen dürfen, wenn er etwas nicht möchte – etwa den Kirchenbesuch oder Geschenke.

3. Am besten machen Sie eher kleine Geschenke. Geschenke an sich sind ein schönes Symbol für Weihnachten. Größere Geschenke könnten jedoch die Gäste überfordern. Wie wäre es mit Wichteln für 5,- € oder je ein Geschenk als Familie hin und her?

4. Ein Gottesdienst-Besuch kann für viele ein besonderes Erlebnis sein, wenn möglich, planen Sie das Krippenspiel mit ein.

5. Gemeinsames Essen hat in vielen Kulturen eine hohe Bedeutung – auch in der biblischen. Aber kochen Sie am besten etwas, von dem Sie wissen, dass es den Gästen schmeckt. Etwas erzgebirgisch Traditionelles wären (Geflügel-) Rostbratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. Geflügel und Reis kommt bei den meisten Kulturen gut an. Ansonsten gibt es auch tolle türkische Rezepte im Internet.

6. Vergessen Sie nicht, dass es in orientalischen Kulturen oft als unhöflich gilt, sofort ja zu sagen. Wenn z.B. ein Türke kein Getränk möchte, wissen Sie erst nach dreimal fragen, ob er wirklich nichts möchte.

7. Backen und kochen Sie unbedingt ohne Gelatine oder Schweineschmalz (mancher Stollen enthält auch Schmalz)!

8. Planen Sie ruhig am Abend ein, die Weihnachtsgeschichte vorzulesen und vielleicht auch noch aus dem Neuen Testament in der Muttersprache der Gäste zu hören. Neben der traditionellen Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 ist für Muslime auch noch die Ankündigung der Geburt von Jesus interessant (Lukas 1,26-38) oder als Alternative der Bericht in Matthäus 1,18-2,12.

Auch Gebete und Lieder dürfen auf jeden Fall zu solch einem Tag oder Abend gehören.

9. Generell ist es gut, Gelegenheiten zu Fragen zu geben. Auch die Bedeutung des Weihnachtsschmuckes oder von verschiedenen Bräuchen darf gern erklärt werden.

10. Man sollte sich bewusst sein, dass bei vielen Bräuchen und religiösen Festen im Islam jede Einzelheit festgelegt ist. Es kommt da vor allem auf die genaueste Einhaltung der Form an, sonst ist das Ritual ungültig und zählt nicht als gute Tat, damit sich die Waage im Jüngsten Gericht zu seinen Gunsten neigen könnte. Vorbedingung für jede religiöse Handlung ist die religiöse Reinheit durch detailliert vorgeschriebene Waschungen. Auch werden dabei immer wieder verschiedene Gebete und Verse auf Arabisch aufgesagt – unabhängig, ob man die Bedeutung des Gesagten versteht. Das Verständnis von Gottesdienst ist im Islam und im Christentum extrem gegensätzlich. Es ist auch für uns lohnend, sich einmal Gedanken zu machen, was wir während der Weihnachtstage tun und warum wir es tun.

11. Seien Sie sich bewusst, dass Muslime viel Wert auf Äußerliches und Verhaltensweisen legen. So darf eigentlich kein Muslim ein Heiliges Buch auf den Boden legen oder mit ungewaschenen Händen anfassen.

12. Beten Sie, vorher – oder am besten schon jetzt!

13. Zeigen Sie Respekt, Freundlichkeit und Liebe.

14. Dem anderen Geschlecht gegenüber gilt es zurückhaltend zu sein.

15. Dem eigenen Geschlecht gegenüber kommt man sich durchaus näher, als sonst in Deutschland gewohnt.

16. Wir müssen nicht diskutieren, aber wir können unsere Sicht erklären und bekennen, was Gottes Wort sagt und bezeugen, was wir mit Gott erlebt haben.

17. Allerdings berührt sie schon die Geste der Einladung. Muslime nehmen uns aufmerksam wahr. Was wir in unserem Alltag leben, hat oft mehr Gewicht als Worte. Es ist nicht so wichtig, was wir sagen, sondern wie wir mit Jesus leben – in ethischen Fragen, bei Schuld und Vergebung, Versöhnung, …

18. Bei der Verabschiedung kann man sich nochmals für den Besuch (und etwaige Geschenke) bedanken und gern auch „Güle güle“ sagen (Geh fröhlich!), oder „Yine bäkleris“ (Wir erwarten Sie wieder!).

Viel Freude, Gottes Segen und gute Erfahrungen wünschen wir Ihnen!

Orientierung 2013-05; 27.11.2013
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